You don’t know the number of your friends

Das hängt irgendwie in meinem Kopf. Ein Bekannter hatte mal einen Demosong gemacht, in dem diese Textzeile vorkam, so oder so ähnlich. Fand ich ganz gut.

Mir ging es jetzt wieder durch den Kopf, als ich binnen weniger Tage das Freundschaftsverhalten von Jack, Albert und Lula beobachten durfte. Als Folge dieser Eindrücke stelle ich mal eine doppelte These auf:
Je älter ein Kind ist, desto mehr Freunde will es treffen    und
je mehr Freunde es trifft, desto mehr Stress gibt es.
Ist nur mal so’ne These. Kann auch anders sein.

Tatsache ist:
Lula ist auf einem Geburtstag. Kindergeburtstag kann man fast schon nicht mehr sagen. Vierzehn Leute sind da. So viele müssen es halt sein, mittlerweile. Das Ende vom Lied: Von den Jungs sind nach und nach schon ein paar abgezogen, um Fußball zu gucken. Andere bleiben noch im Partyraum - während der Rest der Truppe von Haustür zu Haustür zieht und Dinge tauscht - und essen erst den Riesenpudding für später auf, bevor sie gehen. Zwei Mädchen wollen bald abgeholt werden, weil sie das Spiel peinlich finden, eine Dritte muss dann aus fahrtechnischen Gründen auch schon mit. Resultat: Tränen beim Geburtstagskind, großes Gerede, Streit.
Schade.

Albert kommt aus dem Kindergarten. Günther ist mein Freund, verkündet er. (Er heißt tatsächlich Günther.) Ich will mich heute mit Günther treffen, schiebt er hinterher. Wo wohnt Günther? Kannst du Günthers Mama anrufen? Wann können wir zu Günther losfahren?
Niedlich.

Und Jack? Kommt aus der Schule, packt seinen Ranzen weg, geht in die Küche, stellt sich an den Esstisch, ordnet sich kurz und sagt: Kann ich mich heute mit Laura … (kurzer Moment des Konzentrierens), Sarah … (wieder Pause, und ich muss ganz leicht schmunzeln), Esther … (ich guck mal besser etwas runter), Lea … (ich kneif den Mund zu) und Lisa spielen? (Ich sammel mich kurz.) Wir haben einen Club gegründet, und wir müssen heute an der Scheune unser Haus bauen, mit Stöckern und Ästen und so…

Klar, sage ich, wenn du deine Sachen fertig hast, kannst du das machen. Und Jack marschiert zum Telefon, um dem Club zu sagen, dass es klappt.

Oh du glückliche Kindheit.

Neues aus der Zeitung

In einer Zeit, in der uns die Zeitungen die Katastrophen, Dramen und Krisen dieser Welt nur so um die Ohren schlagen, erscheinen heute doch zwei kleine Lichtblicke:

Erstens ist es doch angesichts ständig steigender Managergehälter mal eine erfreuliche Nachricht, wenn der Chef weniger verdient.

Und zweitens freut es mich, dass sich die Londoner Wähler für den richtigen Kandidaten entschieden haben (wenn ich mich auch wundere, warum ausgerechnet die Torys die politische Heimat dieses überaus komischen Little Britain-Comedian sind…).

Die Liebe zum Publikum

Was wünscht man sich mehr! Man hat noch Karten für das begehrte Konzert gekriegt, einen guten Platz im Publikum gefunden, ganz vorne an der Bühne, die Musiker genau im Blick, das Konzert beginnt, der Sound ist gut, schnelle Nummern wechseln mit langsamen, der Funke zwischen Bühne und Publikum ist übergesprungen. Und dann auch noch: Die Musiker nehmen direkten Blickkontakt auf mit einem auf. Und was für Blicke! Immer wieder, fast, als werde er zielstrebig gesucht.
Das wünscht sich doch der wahre Fan von seiner Lieblingsband! Nicht abgehoben auf dem Olymp, unnahbar, sondern verbindlich, vertraulich, direkt.
Von daher kann ich mich nicht beschweren.
Darüber, wie es war.
Gestern.
Im Sinfoniekonzert.

Ich muss zugeben, ich war anfangs ein wenig irritiert. Ich hatte nun eine der wenigen Restkarten ergattert, einen Platz - zwar außen links, aber nicht mal schlecht - in der dritten Reihe zugewiesen bekommen, das großbesetzte Orchester auf seinen Platz marschieren lassen und der hervorragenden Musik gelauscht.
Bis einer der Hornisten Blickkontakt mit mir aufnahm. Er beugte sich - ich saß ja nun seitlich - extra etwas vor und schaute mich über die doch einige Meter währende Strecke hinweg an. Mit einem Blick voller Liebe.
Ich schluckte erstmal. Und sah sofort weg. Und wieder hin. Er schaute weiterhin. Voller Liebe. Mit leichtem Minenspiel. Wissend, irgendwie. Ich sah wieder weg. Und wieder hin.
Die Musik trat erstmal ein bisschen in den Hintergrund. Nach einer Weile musste ich wieder hinschauen. Diesmal musste er zum Glück spielen. So hatte ich Gelegenheit, ihn ein wenig zu studieren. Also ein Hornist, natürlich in feinster Konzertgarderobe, etwas rundlich, schon leicht graues Haar, durchaus sympathisches Erscheinungsbild, gutmütig wirkend.
Der Einsatz war vorbei, die Geigen übernahmen das lyrische Thema, trieben es in höhere Lagen, und der Hornist hatte wieder die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen.
Mit der Dame direkt vor mir. Wurde mir schlagartig klar.
Die ersten beiden Sitzreihen im Konzertsaal sind dort ebenerdig angebracht, die dritte - meinige - etwa eine Treppenstufe erhöht. Auf diese Weise blickte ich stets geradewegs über die Frisur besagter Dame hinweg in die Augen des Musikers. Ich bemerkte jetzt auch etwas Bewegung bei der Dame, eine leichte Unruhe, die stets dann noch zunahm, wenn der Blickkontakt hergestellt war.
Was für Blicke! Voller Liebe, Sehnsucht, Zärtlichkeit! Nicht gelogen. Liebe, über ein paar Meter getrennt und doch so nah, mit unsichtbarem Band verbunden, mit passendstem Soundtrack dazu. Unglaublich.
Den Rest des Abends bemühte ich mich, nicht die Horngruppe ins Blickfeld zu nehmen (es gelang nicht immer, aber im Großen und Ganzen ganz gut). Denn: Liebende soll man ja nicht stören.

Von der Bedeutung des Vaus für Wasser

Merke: Wer ein neues Tafelwasser auf den Markt bringen will, sollte auf den richtigen Anfangsbuchstaben achten.

Wenn ich bisher ein Stilles Wasser kaufte, griff ich immer zu der blauen Kiste mit den VITTEL-Flaschen. Die standen gleich neben den VOLVIC-Flaschen. Standen. Stehen aber nicht mehr. VITTEL wird hier nicht mehr geliefert, erklärte man mir auf Nachfrage, wegen irgendwelcher Großmarktlieferabsprachenveränderungs-dinge und so. Aber damit das arme VOLVIC nicht allein steht, hat es einen neuen Nachbarn bekommen. Dieser Nachbar hat einen Einführungspreis, der unterhalb des anderen liegt, aber bald angeglichen wird (wie der Verkäufer zu einer Kundin sagte). Und der Nachbar hört auf den schönen Namen VIO.

VIO. Mit Vau. Klingt schön. Auf jeden Fall besser als LÜNER. Denn, wenn VITTEL aus der Quelle bei Vittel in Frankreich und VOLVIC aus der Quelle in der Region Volvic ebenfalls in Frankreich stammt, kommt VIO aus der Lüner Quelle. Bei Lüneburg.
Das klingt aber nicht so doll.

VIO klingt trendy. Hip. Gesund. Durch die Lateinanleihe intellektuell. Sportlich. Frisch. Aktiv. Irgendwo zwischen VAIO und VANEO.
LÜNER klingt hausbacken. Eher etwas herb. Provinziell. Beinahe verschreibungspflichtig.

Also schnell einen guten Namen ausdenken und vermarkten. Dasselbe Quellwasser in einer Braunglasflasche mit Papieretikett, auf dem in Schreibschrift Lüner stünde - die Verkaufszahlen wären wohl gering. Lieber VIO, mit glatter Plastikmanschette um die durchsichtige 1,5l-Flasche und Designerschrift. Zum Wohl.

Also: Nicht wundern, wenn uns bald die neuen Getränkenamen entgegenleuchten: VEIN. VODKA. VHISKEY.
Und VASSER.

Ein Lächeln

Wie leicht ist es! Wie einfach! Flugs ein paar Worte gesprochen, schon sieht die Welt etwas heiterer aus! Sprich sie nach, sieh, du wirst Wunder bewirken!

So simpel:
Gehe in ein Buchgeschäft. (Online funktioniert es nicht, es muss schon ein wirklicher Buchladen sein.)
Schaue nicht in die Auslage, meide insbesondere die Abteilung des Sachbuchs.
Wende dich direkt an eine Verkaufsperson.
Und frage dann, ob das Geschäft das Buch von Ralph Caspers vorrätig habe, das den Titel hat: Scheiße sagt man nicht!

Und schon wird ein Lächeln auf das Gesicht des Personals gezaubert, vielleicht ein irritiertes, vielleicht ein wissendes, ein schmunzelndes. Aber es wird da sein.

Der Effekt ist wiederholbar, wenn man zur nächsten Person geschickt wird, die sich in dem Bereich besser auskennt, wie man gesagt bekommt. Auf ein Neues wird die Welt gleich ein Stückchen freundlicher.

caspers-buch.jpg

(Das Buch hatten sie dann nicht vorrätig. Ein hervorragendes kleines Buch im Übrigen, was halt ein weiteres Mal verschenkt werden soll. Ein bisschen klugscheißerisch, sehr kurzweilig. Durchaus leseempfohlen!)

Nur kurz: (Fernsehende für Fernsehende)

Gerade in den Briefkasten gesehen. Und für alle, die regelmäßig am Fernsehen verzweifeln, etwas gefunden: IKEA kann Abhilfe leisten:

fernseherlosung.jpg

Der genaue Preis  steht da, nicht.
Aber ich hoffe, sie ist bezahlbar, die Fernseh-Erlösung.

Finger

So alt bin ich, Papa, verkündet Albert und streckt mir seine Hände entgegen.
Wir sitzen im Auto und sind auf dem Weg zum Einkaufen. Mühsam streckt er die Zeige- und Mittelfinger, soviel erhasche ich beim kurzen Seitenblick.
Und so alt werde ich, fügt er hinzu. Es dauert ein paar Sekunden, dann sind auch noch die Ringfinger gestreckt.
Du meinst sicher nur eine Hand, oder? frage ich.
Nein, er meint schon beide. Ist auch okay.
Und wie alt bist du? fragt er.
Ich, sage ich, ich bin so alt, das kann ich nicht mit einer Hand zeigen. Also, ich bin so (ich halte ihm eine Hand mit ausgestreckten Fingern hin und mache sie wieder zur Faust) und so (wieder strecken, wieder Faust) und so und so… Weiter komm ich nicht. Weil Albert lacht.
Guter Witz offensichtlich, so alt zu sein.
Doch, ehrlich, sage ich.
Albert nimmt’s so hin. Er denkt schon wieder an etwas anderes.
Wie macht der Junge von dem Vater mit der Bahn? fragt er und versucht einen weiteren Finger zu strecken.

Ich weiß, was er meint. Tags zuvor hatte ich bei den Großeltern von einem Kind von Bekannten erzählt, und Albert will das nochmal genau hören. Ich wusste gar nicht, dass er es überhaupt mitbekommen hatte. Das besagte Kind hatte bei einem verwandtschaftlichen Zusammentreffen auf die Frage, wie alt es sei, geantwortet, es sei so alt - wobei es vier Finger zeigte -, aber wenn es mit Papa mit der Straßenbahn führe, sei es so alt - wobei es drei Finger zeigte.
Folgsames Kind. Der Vater war daraufhin etwas rot geworden.

Albert findet es, als ich es ihm jetzt nochmal erzähle, nicht sonderlich merkwürdig. Zahlen sind halt relativ. Und warum die Finger mit dem Alter zusammenhängen, ist schon an sich etwas komisch.
Ich mache dann noch den Fehler, den “wahren” Spruch aufzusagen, der mir von früher wieder in den Sinn kommt, obwohl ihm die Zahlen wahrscheinlich sowieso nicht viel sagen:
Also, Albert, hör mal genau zu:
Zehn Finger habe ich an jeder Hand. Fünfundzwanzig an Händen und Füßen.

Woraufhin Albert ganz entrüstet guckt.
Stimmt aber nicht, sagt er.
Doch, ist wahr, sag ich, das stimmt wirklich!
Nein, sagt er, an den Füßen hast du keine Finger.

0110100010.jpg

Kleine Nachtmusik II

Vor einiger Zeit hatten wir schon die Phase des vermehrten Verstehens, wenn es darum ging, das Ritual des Zubettbringens durchzuführen. Und schon da verstand der kleine Herr nicht unbedingt alles richtig.

Nun scheint bei Albert die Phase des vermehrten Erklärens angebrochen zu sein. Und wenn schon nicht alles richtig verstanden wird, wird es immerhin richtig erklärt. Von ihm.

Eine ganze Reihe von Schlafliedern stehen mittlerweile zur Auswahl, von Der Mond ist aufgegangen bis zu Die Blümelein, sie schlafen. Allein die Auswahl des jeweils genau richtigen Liedes erfordert ein hohes Maß an Überlegung.

Dafür wird jetzt mitgesungen. Toll ist das, wenn man merkt, wie von Mal zu Mal die Worte pünktlicher formuliert werden, sie manchmal meinem Singen schon ein, zwei Worte vorausgreifen, wenn er sich ganz sicher ist. Was aber nicht unbedingt zum ganz genauen Textverstehen beiträgt. Axel Hacke lässt grüßen.

Heute also Schlaf, Kindchen, schlaf, wobei das Kindchen natürlich beim Namen genannt werden muss. Der Vater hüt die Schaf singen wir weiter, und dann:
Die Mutter schüttelt’s Bäumelein, da fällt herab ein Träumelein.
Bevor es weitergehen kann, bremst uns Albert.
Wer ist der Rab? fragt er.
Welcher Rab? frage ich. Ach so, nein, das heißt: Da fällt - (extra große Pause) - herab. Verstehst du?
Albert versteht.
Wer ist Herr Rab? fragt er.
Nein, sage ich, fällt herab, also, fällt herunter, der Traum fällt herunter, durch das Schütteln, weil die Mutter ja…
Hätt’ ich mir alles sparen können, denn ob ich geredet habe oder nicht, Albert hat sowieso nicht hingehört, sondern ist seinen eigenen Gedanken nachgegangen.
Die er mir dann präsentiert:
Ja, Herr Rab ist nämlich vom Baum runtergefallen, weil er so doll geschüttelt wurde. Von der Mutter.
Und Papa,
geht es nahtlos weiter, während ich gerade Mühe habe, die Fassung zu wahren, was ist ‘hüti’?
Große Augen schauen mich an. Ich geh schnell den Text durch.
Ach so, der Vater, sage ich und räuspere mich kurz, der ‘hütet’ die Schafe, der schützt sie also.
Albert plaudert gleich drauflos:
Als wir jetzt auf der Rückfahrt waren, da waren die Schafe, und da war aber kein … kein … Bauer dabei, der die Schafe schützt. Warum nicht?

Und so sind wir, anstatt ein Abendlied zu singen, mitten ins Erzählen und Erklären geraten, über Gatter und Schäfer und das Hüten im allgemeinen und Hunde im besonderen. Und auch die zweite Strophe erfährt anstelle eines Durchsingens den Hinweis, dass am Himmel keine Schafe sein können (weil es ja ganz hoch ist) und die Erkundigung, was denn der Mond da wohl zu sich nähme (was isst der Mond da?). Wodurch der Begriff zunehmender Mond eine ganz neue Bedeutung erhält.

Schließlich sind wir durch. So richtig bedächtiger Abschluss des Tages war das nicht. Aber Wissensdurst dürfte Albert heute Abend nicht mehr haben.

Deluminator gefällig?

Freunde des werten Harald P. werden ihn aus seinen Erzählungen kennen, Anderen sei er wärmstens empfohlen: Der Deluminator. Gerade in Zeiten des bewussten Umgangs mit Energie und dem Bestreben des Einsparens, wo immer es nur möglich ist, ist der Besitz eines Deluminators eine wahre Goldgrube. Er spart Strom, wo er nur kann. Dies tut er, indem er das Licht quasi aus dem Raum zieht. Die Folge ist völlige Dunkelheit. Bei Bedarf erreicht ein einfacher Klick des Deluminators, dass das Licht wieder zurückkehrt.

Ich habe einen solchen Deluminator. Er heißt Albert. Er ist in der Lage, spontan das Licht aus seiner Umgebung abzuziehen. Ungemein praktisch.

Wir gehen durch ein blaugelbes Möbelhaus aus nördlichen Landen. Raum an Raum wird dem Auge Mobiliar geboten. Bis zum Einsatz des Deluminators. Albert entdeckt an den unmöglichsten Stellen die Schalter der dortigen Lampen. Aller Lampen. Schaue ich mal kurz hier, mal dort und gucke nach ihm im nächsten Augenblick - das Abziehen des Lichtes verrät in etwa, wo er sich herumtreibt. Oft ist höchstens ein kniender kleiner Mensch von hinten, halb verborgen hinter etwaigen Tischchen, zu sehen, oft nicht mal das. Denn dann wird es dunkel. Zumindest dunkler.

Ein unbegreifbarer Reiz scheint von diesen Lichtern auszugehen. Es ist nicht so, dass wir zuhause kein Licht hätten. Es hätte ja sein können, dass, so wie manche Kinder möglicherweise sagen, bei ihnen gäbe es keinen Fernseher zuhause, Albert verkünden könnte, seine Eltern hätten kein Licht, die würden davon nichts halten. Aber nein, wir haben Licht, wir machen es sogar regelmäßig an. Solange es an bleibt.

Vor ein paar Tagen suchen wir ein Café auf, Jack, Albert und ich, um eine Wartezeit mit einer ordentlichen Portion Eis zu überbrücken. Wir kommen rein, suchen uns ein Plätzchen, Jack und ich klären, wer wo sitzen will und soll und darf, und der Deluminator nutzt den kleinen Moment, um das Licht abzusaugen. Hinter einer Säule mit einem kleinen Springbrunnen in einer Ecke guckt sein Hintern hervor, soviel kann ich im schwachen Restlicht des Tages erkennen. Der Bitte um Wiederherstellung kommt er allerdings eilends nach. Im Dunkeln ist ja auch schwerlich etwas zu bestellen.

Und beim Wochenendeinkauf im Großsupermarkt ist es wieder soweit. Albert schiebt den Wagen, ich bitte ihn, zu warten, weil ich eine Zeitung suche, er geht weiter, sagt er warte bei den Fernsehern und schiebt ab. Nach einem kurzem Moment gehe ich hinterher. Biege um das letzte Regal. Sehe einen Restalbert von hinten. Sehe ihn eine an einer Kette hängende Fernbedienung vor sich herschwenken. Verfolge seinen Finger auf dem Weg zu einem roten Knopf ganz oben. Sage mit leicht erhobener Stimme nein, stop, nicht drücken, Albert. Sehe, wie sich sein Zeigefinger auf den Knopf senkt.

Und dann geht die ganze Fernsehwand aus. Auf einen Schlag. Alle Fernseher schwarz. Und stumm. Albert guckt jetzt selbst etwas irritiert. Er hat also den Receiver für das Antennensignal lahmgelegt. Erste Blicke von Umstehenden. Solche na, alles kaputtbekommen?-mäßige Blicke. Ich greife die Fernbedienung und versuche die Reaktivierung. Albert ist schneller. Das Drücken auf eine bestimmte Taste (nicht die rote!) lässt alle Bildschirme gleichzeitig kurz aufblitzen, dann erscheint ein Infofeld, dass einen Sender ankündigt. Und dann läuft wieder der Musiksender, der zuvor schon lief.

Und ich schnapp mir den Deluminator, bevor er die Energie aus den Kühl- und Gefriertruhen, den Kassen, der gesamten Beleuchtungsanlage und der Sprenkler- und Sicherheitsanlage ziehen könnte.

deluminator.jpg

Mit Nachtdruck

Heute lag so ein Zettel im Briefkasten. Warum ich nicht Politiker werden kann.
Also, stand da nicht wortwörtlich. Aber mir fehlt da wohl etwas, was den engagierten Politiker - auch schon auf kommunaler Ebene - offensichtlich unabdingbar kennzeichnen sollte:

 mit-nachtdruck.jpg

Nachtdruck. Keine Ahnung, was das genau ist. Klingt ein bisschen, als müsste man nachts mehrmals raus, weil - naja, die Blase, Sie wissen schon.

Nachtdruck. Könnte auch ‘ne In-Disko sein, die ab 23 Uhr ordentlich Druck macht und die Bässe wummern lässt. Und wo sich die Politiker dann … nee, irgendwie nicht.

Nachtdruck. Vielleicht ist es der trendige Name einer Druckerei von umtriebigen Jungunternehmern, die nachts noch schnell Wichtiges drucken kann. Vielleicht ist es die Druckerei, die dieses Schreiben nachts noch schnell gedruckt hat.

Nachtdruck.
Hab ich nicht, weiß ich nicht, kenn ich nicht.
Ich geh jetzt besser zu Bett.

Nachtrag:

Kaum 5 Stunden nach Beendigung des Artikels hat Albert gezeigt, dass er Politiker werden kann.
Der Arme.
Ich hab denn mal das Bett neu gemacht und ihn umgezogen.

Nächste Seite »