Was,
bitteschön,
was habe ich mit Paris Hilton zu tun?
Nichts.
Gar nichts.
Ist sie Politikerin meines Landes und bestimmt sie durch ihr Handeln politische Geschicke? Nein.
Ist sie ein kulturelles Gewissen, das in Schrift und möglicherweise Musik auszudrücken vermag, was meine Seele berührt? Nein.
Ist sie im Aufgebot meiner Lieblingsmannschaft und fiebere ich jeden Spieltag neu mit, ob sie ihre Leistung bringt oder nicht? Nein.
Ist sie eine allgemeine Person des lokalen Umfeldes, wie beispielsweise eine Verkäuferin, der ich begegne, mit der ich einen sich aus der Situation heraus logischen gesellschaftlichen Kontakt habe, einfach, weil zwei Menschen sich begegnen? Nein.
Warum muss ich dann dauernd etwas aus dem Leben dieser Person erfahren? Warum?
Ich lese eine – wie Harald Schmidt sich ausdrücken würde – anständige deutsche Tageszeitung und nicht das Blatt mit vier großen Buchstaben. Dennoch schlagen mir auch hier ständig Schlagzeilen aus dem Leben der Frau Hilton entgegen. Von den Artikeln ganz zu schweigen, aber die kann ich ja eigenverantwortlich weglassen.
Ich klicke auf die Internetseite eines seriösen wöchentlichen Magazins, das dem Zeitgeschehen den Spiegel vorzuhalten gedenkt, und kann auch hier den neuesten Informationen aus dem Leben der besagten Person nicht entfliehen.
Ich höre beim Autofahren einen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanal, dem ich durchaus geneigt bin, und schalte aus, weil sogar hier über ihr Leben berichtet wird.
Warum?
Bei allen Fakten, die mir ungewollt zugeschoben werden, ergibt sich immer aufs Neue diese Frage.
Denn:
Es gibt unzählige Menschen, die wiederholt ohne Führerschein Auto fahren. In Amerika, in Deutschland, in der nächsten lokalen Kleinstadt, vielleicht auch einfach nur drei Häuser weiter.
Es gibt unzählige Menschen, die diesbezüglich uneinsichtig sind. In Amerika, in Deutschland, usw.
Es gibt unzählige Menschen, die eine Haftstrafe antreten müssen.
Es gibt unzählige Menschen, die während der Haft gesundheitliche Probleme haben und eventuell eine Haftverschonung geniessen.
Aber warum, warum muss ich das von Frau Hilton wissen? Es bedeutet mir nichts, gar nichts.
Ist ein Sechzehnjähriger aus dem Nachbarort unter Alkoholeinfluss in einen Vorgarten von Bekannten gebrettert, wobei er nur knapp zwei junge Menschen verpasst hat, dann hat es etwas mit meinem Leben zu tun; was und wieviel, das kann und muss ich selbst abwägen. Die öffentlichen Medien müssen mir das nicht abnehmen. Keine Zeitung mit vier Buchstaben muss mir die Dramatik eines Unfalls bewusstmachen wollen, damit ich mich betroffen und emotional berührt fühle. Das schaff ich schon alleine. Aber das Leben der Frau Hilton berührt mich nicht emotional. Sie hat nichts mit mir zu tun, unabhängig davon, ob sie vielleicht nicht die Schlauste ist, ob sie eine gewisse Arroganz zeigt, ob sie reich ist, ob sie oberflächlich erscheint.
Mag sein, dass Paris Hilton die Öffentlichkeit für sich braucht.
Ich brauche Paris Hilton nicht.
1 Antwort zu “brauch ich nicht”