Ich spekuliere (2.)

Ich habe gestanden.

Deshalb folgen ohne weitere Umschweife:

Einkaufszettel Nr. 2 und 3

 

Vorm Konsum.
8.00 Uhr.
Hilde, guten Morgen, da bin ich ja schon. Hab grad noch
die Else getroffen, mit dem schlimmen Bein, weißte?
Ach ach ach, der geht’s aber gar nicht gut, nee, nee.

 Jaja, das Elschen, das hat’s immer nicht leicht, wahrlich nicht, jaja.

Rein mit ihnen.
Zuerst Sahne.
Dreimal, Hilde, nee, warte, viermal Sahne. Für die Soße, weißte?

Hilde weiß.
Ja, nicht dass das dann zu wenich wird, so um die Pute, Martha.

Recht hat die Hilde.
Da haste recht, Hilde. Der Egon langt nämlich immer ganz schön zu.

Hilde braucht was anderes.
Was sollte ich dem Heinz noch kochen? Kann ich gar
nicht mehr richtig lesen. Nee nee, die Augen aber auch.
Werden immer schlechter. Was hab ich da schriebn? Sulzkottelt?
Sülzkotelett vielleicht.
Ach, Sülzkottlett. Das mag der Heinz ja so gerne, nicht wahr, Martha?

Martha braucht Reis.
Nur einmal Reis, Hilde. Ist immer besser, wenn man alles
frisch kauft. Kann auch nicht immer den ganzen Schrank
voll haben mit Reis und und und.

Hilde überlegt.
Ja, was hab ich denn da jetzt wieder schriebn, Martha, kannst du mal lesen?

Martha guckt.
Bo… Po… nee, Ro. Ro! Dein Sülzkottlett soll woll ro sein.
Hilde nun aber. Warum schreibste denn das auf?
Das ist doch gekocht!
Roh ist es jedenfalls nicht.

Jetzt nochmal in die MoPro-Abteilung.
Ich muss jetzt nochmal zu den Molkereiprodukten, Hilde.
Zweimal Quark. Den mach ich dem Egon und mir mit Appelmus.
Das ist auch besser für die Verdauung. Weisste, der Egon
hat ja in letzter Zeit immer so…
Hat er ja immer so.

Jaja, Martha, wie mein Heinz, genau wie mein Heinz.
Die Männer immer. Aber wo ist denn jetzt die Butter, Martha?
Ein Stück brauch ich für zum über die Erbsen gießen, weißte,
wenn ich vorher das Paniermehl drübergestreut hab.
Und Eier noch. Damit der Heinz ma noch seine drei
Spiegeleier dazukriegt. Isst er ja so gerne, der Heinz.

Schließlich zu den Getränken.
Wasser soll ich noch kaufen, hat der Egon gesagt.
Aber mit weniger Kohlsäure, sagt er. Weißte Hilde,
der kann aber auch aufstoßen, du, das sag ich dir.
Is schon gut, wenn der mal weniger Kohlsäure trinkt.

Aber nur eine Flasche.
Ja, Martha, ist dein Korb auch schon wieder so schwer.
Was wir in unserm Leben so alles schon geschleppt haben, was Martha?
Jaja. Werden auch nicht jünger. Habens ganz schön im Kreuz.

Das war’s auch schon.
Komm. Hilde, gehn wa wieder zur Frau Müller anne Kasse,
da kann se uns nochmal erzählen, wie se ihre Hüftoperation überstanden hat.

Und dann?
Na, Martha, denn haben wir ja wohl alles, was?
Grüß mir den Egon schön.
Und denn sehn wir uns ja morgen früh wieder!

5 Antworten zu “Ich spekuliere (2.)”


  1. 1 Manu Juni 14, 2007 um 10:57

    Was ist eigentlich Sülzkotelett? Kenn ich gar nicht.
    Und das “Ro” sollte sicherlich nicht dessen rohen Zustand beschreiben, sondern steht abgekürzt für das Gemüse, das Hilde für den Heinz mit einkaufen sollte und das sie genau so fürchterlich findet wie ich, weshalb sie es nicht mal richtig aufschreiben will: ROsenkohl! bäh!

  2. 2 yulius Juni 14, 2007 um 11:44

    Bei’Sülzkotelett’ musste ich auch erst nachschauen.
    Das Internet bietet diverse Kochanleitungen.
    Für Hilde scheint es Standardgericht zu sein!

  3. 3 yulius Juni 14, 2007 um 11:46

    Ach, und bei Rosenkohl schließe ich mich an…

  4. 4 wortteufel Juni 29, 2007 um 9:39

    Ich liebe Rosenkohl! Schön scharf angebraten mit Speck und Zwiebeln.


  1. 1 Oh je. « Trackback zu Juni 28, 2007 um 10:28

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