Jugend und Ehe

Eben im Garten:

Ich räume gerade alle Sachen zusammen, Sandkasteneimer und Förmchen, Jacks Tor und den Ball, das Dreirad, die Stelzen – was halt alles so anfällt an einem Nachmittag im Sommer.

Hinter der Hecke sind derweil Jugendliche von nebenan zu hören, lautstark und nicht zu ignorieren:

Hast du die Eheringe?

Bitte, was? Habe ich richtig gehört? Ich bleibe stehen.

Mensch, wo sind denn die Eheringe?

Tatsächlich, sie sprechen von Eheringen!

Wir brauchen die Eheringe, jetzt!

Aha. Jetzt.
Gut, sich über die Ehe Gedanken zu machen, muss ja nicht falsch sein. Und in dem Zusammenhang auch die symbolisch wichtigen Eheringe mitein-zubeziehen, ist naheliegend.
Trotzdem bin ich ein wenig überrascht.

Frag doch Mama mal!

Oh, der Rat der Mutter. Sehr gut.

Mama, wo sind die Eheringe?

Keine Ahnung, frag Papa, der hat sie zuletzt gehabt!

Äh, werden die Eheringe weitergegeben? Gibt es nicht ausreichend für alle?
Ist die Tochter – deren Stimme ich zu erkenne meine – überhaupt schon verheiratet? Wenn, dann bestimmt noch nicht lange.
Heiraten junge Leute doch wieder früher heutzutage?
Interessant!

Wo ist’n Papa jetzt? Ohne Eheringe können wir nicht weitermachen.

Upps! Stör ich etwa? Ich fühl mich zunehmend unwohler, absolut fehl am Platze.
Ich weiß nicht, wovon sie reden, will es aber auch eigentlich gar nicht so genau wissen.

Papa sagt, die sind in der Tasche!

Naja, mit den Eltern scheinen sie ja frei über alles reden zu können, auch gut.
Ich bin außerdem gleich fertig mit Aufräumen. Besser so.

In der Tasche sind keine!

Hä?! Geht es um irgendwelche Eheringe? Wieso das denn?
Ich komme nicht ganz mit.

Doch, ganz unten sollen sie sein!

Mensch, so ein Rummel um ein paar Eheringe. Ich habe die Jugend offensichtlich unterschätzt.
Oder es geht um ein freies Hochzeitsritual?
Sei’s drum, so ein bewußter Umgang mit Beziehungen sollte ja durchaus honoriert werden.

Ach, hier sind sie!

Endlich!

Wir haben sie!

Ich wünsche euch alles Glück der Erde!
Ein bisschen Erleichterung mischt sich mit etwas Freude.

Sie waren ganz unten unter dem Zelt!

Da wurde es mir klar.
Ich verstummte sozusagen innerlich.
Morgen mache ich besser einen Termin beim Ohrenarzt.

Ich hatte immer Eheringe verstanden.
Nicht Heringe.

3 Antworten zu “Jugend und Ehe”


  1. 1 Alexandra Juli 27, 2007 um 11:24

    … Freudscher Verhörer…?!? ;_)

  2. 2 June August 6, 2007 um 7:46

    ich hab eben köstlich gelacht!
    danke!
    das hellt den doofen tag sehr auf!

    ;-)

  3. 3 yulius August 6, 2007 um 7:54

    Danke, freut mich!
    (Das mit dem Aufhellen, nicht das mit dem doofen Tag)


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