Jahreszeiten werden relativ. Wobei ich diesmal die gesellschaftliche Komponente meine, nicht die klimatische. In den wirklich wenigen heißen Tagen dieses Sommers schneit (upps, wie passend zum Thema, merke ich gerade) dick die Reklame für den Herbst ins Haus:
Kinder in Gummistiefeln durch Pfützen laufend, dick windfest verpackte Models, die durchs Laub stapfen, regenschirmtragende, den Kragen der wasserabweisenden Jacke hochgeklappt habende Endfünfziger, die deutlich nach vorn gebeugt Wind und Wetter trotzen und ein Lächeln um die Mundwinkel nicht verlieren, dazu honigfarbene Kerzenarrangements, die Gemütlichkeit an dunklen Herbsttagen verbreiten sollen.
Oder Ostereier in Werbeblöcken, die im Januar fast nahtlos an die Weihnachtswerbung anschließen und Frohe Ostern verkünden, während weiße Karnickel über riesige Möhren hoppeln (wie süß!). Gut, die Vorfreude im Winter auf das Frühjahr liegt immerhin noch näher als die Vorfreude im Hochsommer auf windige Regentage im Herbst.
Höchst ärgerlich, dass Silvester so ungünstig liegt. Gerade mal eine knappe Woche Zeit, sämtliche Trailer über den Bildschirm und sämtliche Sekt-, Knallkörper- und Bleigießreklame in alle Haushalte zu bringen. Vielleicht könnte man das mal ändern.
Ein gewisser Blick voraus ist dabei ja nicht falsch. Die Bekleidungsindustrie soll ja nicht überrascht im Oktober feststellen, dass dickere Pullis vielleicht mal angebracht wären, die Produktion aber erst im März hinterher kommen würde. Und ebenso erscheint es sinnvoll, die Produktion von Weihnachtsgebäck ein Stück vor das Fest zu legen. Die Frage ist ja, ob man es dann auch gleich verkaufen muss.
wortteufel ist zumindest schon auf die heiße Ware gestoßen. Was eigentlich in kulinarischer Hinsicht gar nicht das Falscheste ist. Von einem der Keksindustrie nahestehenden Bekannten weiß ich, dass am Ende des Sommers die Produktion von Weihnachtsgebäck abgeschlossen ist. Dann schmeckt sie am besten. Aber: Will man sie sich dann überhaupt schon schmecken lassen?
Das Buhlen um die Gunst des Kunden führte vor einigen Jahren (leider vor der Etablierung digitaler Kameras) am Ende des Sommers zu dem schönen Umstand, dass der Supermarkt in unserer Nähe zeitgleich zwei Kaufgrundbedürfnisse des Menschen voll abdeckte. Direkt nebeneinander lagerten sie da. Das Grillset und das Weihnachtsgebäck.
Aber warum ist die Keksproduktion vier Monate vor Weihnachten bereits abgeschlossen, obwohl die Hersteller wissen, dass die Kekse im frischen Zustand am besten schmecken?
Warum warten die dann nicht, damit alle die leckersten Kekse passend zur Vorweihnachtszeit genießen können?
Versteh ich nicht.
Korrekt!
Das macht den Keks nicht besser 8)