Ich habe den Eindruck, die Telekom wird so langsam das ZDF der deutschen Telefonanbieter. Der Kundenstamm wird alt und älter, die Jugend geht schon lange woanders telefonieren und man hat immer noch den Eindruck des Öffentlich-Rechtlichen, obwohl die Privatisierung ja schon etwas zurück liegt.
Und ähnlich salbungsvoll wie beim ZDF Werbung für Tabletten zum besseren Abführen, Salben für die Durchblutung der Beine oder Treppenlifte die Schlagersendungen und Herzschmerzserien umrahmen, so flattern von der Telekom regelmäßig Angebote bezüglich des Telefonanschlusses ins Haus. Albert besuchte mit mir heute seine Großmutter, und zum wiederholten Male zeigte diese mir einen Schrieb der Telekom, der für eine Flatrate für Internet und Telefonieren warb. Sieh mal, Yulius, sagte sie, ich hab zwar noch kein Internet, aber dieses Angebot sollte man dann doch machen, oder? Ich ließ mir den Brief und die Faltbroschüre geben und studierte beides ein Weilchen, während Albert von Großmutter bespielt wurde.
Ich muss sagen: Das ist schon hart an der Grenze. Gut, jede Firma darf darum bemüht sein, ihren Kunden Angebote zu machen, die sie weiterhin an das Unternehmen binden. Aber hier quasi das ZDF-Publikum mit Angeboten zu locken, die es nicht verstehen kann, ist meiner Meinung nach nicht fair. Da gibt es nunmal einen Stamm von Kunden, der wohl nicht zuletzt aus traditionellen Gründen einfach das Telefon bei der Bundespost behält, so wie früher, weil der Wechsel zu anderen Anbietern so unsicher scheint und man es gern einfach so belässt. Und dann fährt man einfach mal Begriffe wie WLAN, Highspeed-DSL, Flatrate und Modem auf, hebt Wendungen wie kostenlos ins deutsche Festnetz hervor, garniert das ganze mit kleinen Sternchen und nennt das dann Sorglos-Paket oder ähnlich. Wobei dieser Sorglos-Begriff ja auch von einer Konkurrenz (Tele2Sorglos) benutzt wird. Sah ich auf einem anderen Flyer bei ihr in der Küche liegen. Aber die Telekom nutzt das Vertrauen in die Tradition, um Angebote zu erstellen, die bei weitem nicht das beste auf dem Markt sind. Hier beispielsweise sind die Gespräche zu anderen Telekomfestnetzteilnehmern abgedeckt, nicht alle Festnetznummern. Für den Internetanschluss fallen natürlich Hardwarepreise und Nutzungsentgelte an. Steht ja auch alles da. Aber schön klein, als Sternchenerläuterung, mit einer Menge Zahlen und Einschränkungen (DSL 6000, wenn bei Ihnen verfügbar etc.). Hervorgehoben sind natürlich die Ersparnisse (Anschlussgebühr von … entfällt bis dann und dann, 20 Euro Gutschrift bei Internetbestellung etc.). Wobei ich mich dagegen wehre, von Ersparnissen zu reden, wenn man einen Vertrag mit regelmäßigen Mehrkosten abschließt. Und wenn die Werbung mir suggeriert, für etwa 45 Euro wär alles machbar, und im kleinen Beitext eine Preisreduzierung bei einem notwendigen Gerät vorgestellt wird, tu ich mich schwer damit, vom großen Glück zu sprechen.
Ein Fünfminutenblick meinerseits kann solch eine Vertragsbindung (grad noch) verhindern. Ohne eine Experte zu sein, weiß ich doch grob Bescheid bei Tarifstrukturen, Anbietern und technischen Voraussetzungen. Die Zielperson dieser Werbung nicht. Und diese war drauf und dran, einen 24-monatigen Vertrag zu unterzeichen.
Ich hab auf jeden Fall gedacht: Sorglos ist das Paket nicht. Treffender wäre wohl Arglos-Paket.
Leider wahr.