Nix da. Gewinnspiel gibt’s hier nicht. Auf keinen Fall. Bloß nicht.
Erinnert mich immer an das Klischee des Rummelplatzes: Mit sonorer und mikrofonverstärkter Stimme steht ein Mittfünfziger mit Bauch vor einem breiten Anhänger, voll mit Plüschhasen (je nach Saison auch Nemo-Fischen o. ä.), silbernen Gasballons und Spielzeuggewehren, der Platz davor übersät von roten Papierfetzen, und schon bzw. noch von Weitem hört man ihn sein immerwährendes Credo leiern:
Gewinne, Gewinne, Gewinne. Kommen Sie, kaufen Sie. Jedes dritte Los gewinnt.
Gewinne, Gewinne, Gewinne. . . .
Warum wird man nur so zugetextet mit Gewinnspiel hier, Gewinnspiel da? Keine Zeitschrift ohne Supergewinne, keine Fernsehsendung ohne Aussicht auf das große Glück.
Tja, das große Glück. Aber für wen?
Früher (ach ja, damals …) hatte man ja wirklich noch das Gefühl, etwas geschenkt zu bekommen, wenn man gewinnt. Einzig und allein die Post hätte guten Grund gehabt, Gewinnspiele aus Eigennutz zu betreiben, lief doch jedes Gewinnspiel darauf hinaus, bis zum Einsendeschluss Donnerstag in einer Woche oder so eine Postkarte mit dem Lösungswort zu schicken. Gut, Kundenbindung mag, wenn auch noch nicht unter diesem tollen Begriff, schon damals das Ziel der Zeitschriftenhersteller und Radio- und Fernsehmacher gewesen sein, aber die Gewinne gab’s einfach so.
Heute? Heute finanziert der Teilnehmer ja den Gesamtgewinn. Abzüglich Spesen sozusagen. Wenn eine Sendung einen Sofortgewinn von 500 EURO verspricht und der gebührenpflichtige Anruf 49 Cent kostet – dann kann ich mir schnell ausrechnen, wo die Gewinnzone beginnt. Und wenn die Frage dann noch so dämlich ist, dass nicht nur einige hochgradig pfiffige Mitmenschen die Antwort überhaupt wissen können, sondern vielmehr das Feld der möglichen Mitrater bis fast ins Unendliche ausgedehnt wird – dann wird klar, dass “Gewinnspiel” nur heißt: Ihr spielt, wir machen Gewinn.
Mit einer Selbstverständlichkeit suggerieren die Medien, welche Möglichkeiten der Augenblick angeblich bietet. Immer ist die Rede vom Glück. Was ist Glück? Ist Glück, 500 Euro abzüglich Gebühren für monatelang regelmäßiges gebührenpflichtiges Anrufen erhalten zu können?
Ist Glück, mit Riesengewinnen sein bisheriges Leben zu ändern?
Wenn das Glück ist, ist das bisherige Leben dann Unglück?
Und: Wie kann man mit der Zeit innerlich eine Art Rechtsanspruch auf’s Glück entwickeln? Ich spiel schon so lange und hab noch nie was gewonnen…
Ist bei mir etwas anders: Ich spiel nicht und hab noch nie etwas gewonnen. Unglücklich bin ich nicht. Natürlich hätte auch ich Ideen, bekäme ich einen Millionengewinn. Aber ich will mich nicht davon abhängig machen, ständig auf die große Veränderung zu warten, immer einen Teil für den kleinen Kitzel auszugeben.
Man müsse dem Glück ja die Möglichkeit geben, hör ich da.
Das denke ich auch. Nur brauch ich dazu kein Gewinnspiel.
Trotz erklärender Email von Herrn Yulius nehme ich dieses Beitrag sehr, sehr persönlich 8)
Zur Strafe bitte, Herr Yulius, bei mir mitspielen.
Nicht als Strafe. Ich überleg sowieso schon.
Darüber hinaus die moralische Verpflichtung, allgemein auf dieses wirklich ehrenwerte und nicht mit den von mir angeprangerten Zuständen in einen Topf zu schmeißende Gewinnspiel hinzuweisen und mit der Aufforderung zu reger Teilnahme zu verbinden! ;-)
;) Hab ich doch alles richtig verstanden und bin doch ganz der gleichen Meinung.
(… und äußerst gespannt, ob die Wanderpokalgeschichte Zukunft hat)
Wenn ich mir überlege, wieviel Geld meine Eltern insgesamt bis zum heutigen Tag ins fast wöchentliche Lottospiel gesteckt haben, kommt bestimmt auch ein ordentlicher Jackpot zusammen…