Ich weiß nicht mehr, die wievielte Tasse der Kaffeevollautomat mir heute schon ausgehändigt hat. Ich habe nicht mitgezählt. Er schon, er hat ein inneres Zählwerk, und alle vierzehn Tassen meldet er seine Bedürfnisse an.
Ja, der Kaffeeautomat. Wir kennen uns nun schon seit einem Jahr, und in dieser Zeit sind wir uns bereits so vertraut geworden, dass man meinen könnte, wir hätten unser gesamtes Leben miteinander verbracht. Wir verstehen uns, so gut, dass wir bereit sind, alles uns Mögliche für den Anderen zu tun. Ich befülle ihn stetiglich mit Kaffeebohnen, gieße immerzu Wasser nach, befreie ihn von seinen Kaffeepulverresten und reinige seine Auffangschale. Und er erkennt meinen Kaffeebedarf, ohne Murren bereitet er mir Tasse um Tasse.
Heute hat er nun reichlich zu tun. Die Nacht hat ihre Spuren hinterlassen, bei mir, im Gesicht. Wenn Freunde unserer Kinder bei uns übernachten, ist in jedem Falle schon mit einer frühen Geräuschkulisse zu rechnen, in der Regel so laut, dass Albert schon mal ruft, dass der Tag beginnt. Wenn Jacks Freund und er selbst am Abend bereits um kurz nach Neun in einem dunklen Zimmer vorgefunden werden und nur mit Mühe - und kleinen Augen - ins Bad genötigt werden können, ahnt man, dass der Morgen noch früher beginnen kann. Wenn abends um viertel nach Elf dann das schon als Möglichkeit angekündigte kleine Malheur beim Gastkind - dem mit einem kurzen Wecken und dem Lenken zur Toilette eigentlich vorgebeugt werden sollte - bereits passiert ist und diverse Laken- und Bettbezugswechsel vorgenommen wurden, wenn um Vier die beiden Jungs am Bett stehen und über verschnupfte Nasen klagen, Albert sich schon mal meldet, anschließend unüberhörbar Musik aus Jacks Zimmer dudelt - weil wir nicht wieder einschlafen können - man dann wach im Bett liegt, irgendwann eindöst und um Sechs erst zwei laute Stimmen aus Jacks und anschließend eine laute Stimme aus Alberts Zimmer hört - dann ist man froh, dass der Kaffeeautomat mich schon so gut kennt, dass er mich fortan treu umsorgt.
Dass Kaffee auch zur Kunst neigen kann, zeigte sich mir unter der Woche. Vor einiger Zeit kippte auf der Spüle eine vielleicht noch halbgefüllte Kaffeetasse um und ließ wohl einen Teil der Lache überschwappen und hinten an der Wand hinunterlaufen, von vorne nicht sichtbar. Unter der Spüle befindet sich der Geschirrspüler. Und der musste gerade mal aus technischen Gründen nach vorne gezogen werden. Und siehe da: Der Kaffee hatte gemalt. Vom Mahlen eines Kaffees hat man ja schon gehört, dieses war mir neu. Er hinterließ in jedem Fall ein Porträt auf der Oberfläche des Geschirrspülers. Ob ich es bin, der dort porträtiert ist, vermag ich nicht sagen.
Neu war für mich in dieser Woche auch noch, dass die Produktpiraterie mittlerweile schon den Nahrungs- und Genussmittelbereich erreicht hat und bis hin zum so geliebten Kaffee reicht. Mit unverblümter Reklame in der Öffentlichkeit werden Plagiate in der Öffentlichkeit beworben und zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen. Ich allerdings werde der Kaffeekopie widerstehen und beim Original bleiben.
*hihihi*
(Tschuldigung. Konnte mich grade nicht mehr halten vor Lachen.)
Darf man erfahren, wie der Kaffee-Kollege heißt? Ich möchte auch gern jemanden, der meine Kaffeewünsche erkennt und erfüllt… und bin auch zu entsprechenden Gegenleistungen wie Bohnen und Wasser bereit…
Ich habe mich mit einer Magnifica-Maschine von DeLonghi angefreundet. Die ist nicht billig, seine Freunde sind es aber auch nicht.
(Stellt sich die Frage, was einem Freundschaft wert ist, oder?)
;)
wir sind befreundet mit einem angehörigen der bosch-siemens familie und sind höchst erfreut über diesen freund. auch hier hat sich besonders zwischen mir und ihm eine wirklich tiefgehende freundschaft entwickelt. so höre ich ihm morgens nach dem anschalten sehr gerne zu, wenn er sich putzt, seine häufchen werden regelmässig von mir entfernt und bei hin und wieder stattfindenden großreinigungstagen leiste ich ihm gesellschaft. ich bin fast ein bisschen valiept.
Ach Ami, Sie sprechen mir aus dem Herzen.
Unsere Krups (Modell südliches Italien) macht auch immer kleine Häufchen – wohlgeformt möchte ich anmerken – und freut sich auch über die Gesellschaft beim Reinigungsmarathon.
Einzig ihre Weigerung, mir die Milch aufzuschäumen, trübt die Zweisamkeit.
Sagen Sie mal, Herr Yulius, was mich ja schon die ganze Zeit interessiert: haben Sie wirklich die Tassen gezählt, um den Reinigungsintervall herauszufinden? Oder haben Sie auch ein inneres Zählwerk? Das muss Liebe sein.
Die Bedienungsanleitung sprach von diesen 14 Tassen.
Gefühlt kümmere ich mich alle 6-8 Tassen um die Bedürfnisse…
“Dass Kaffee auch zur Kunst neigen kann” !
Yep er kann und wie er kann, er kann sogar tragendes Motiv in Bildern werden. Aber sehen sie Selbst! ;-)
http://www.myspace.com/revolux01