Vom Rauchen und vom Trinken

Andere Länder, andere Sitten.
Also: Andere Bundesländer, andere Nichtrauchergesetze.

Da sitzt man nun im Westfälischen in einem Restaurant, und während man eine Speisekarte durchblättert, schnuppert man, stutzt kurz, wirft einen Blick auf den eigenen Tisch und wird gewahr, dass dort ein Aschenbecher steht. Man. So, wie früher. Deshalb auch der Rauch vom Nebentisch.

Nicht dass ich rauche. Also, nicht ständig. Gelegentlich.
So, wie ich trinke: Nicht ständig. Gelegentlich.

Tabak und Alkohol werden ja den sogenannten „Nahrungs- und Genuss-mitteln“ zugerechnet. Das Gewicht liegt da bei mir nach wie vor auf dem zweiten Begriff, dem Genuss. Ich bin nicht abhängig davon. Und ich bin froh darum. Gerade die Abhängigkeit von Tabak ist ja gesellschaftlich akzeptierter als die von Alkohol. Es ist schon ein Leichtes, zum Raucher zu werden. Und es ist schwierig, gelegentlich zu rauchen, ohne gleich als Raucher gesehen zu werden.
Ein Freund aus der Schulzeit hatte ein Elternhaus, das strikt gegen beides war. Ein Feierabendbier zu trinken, es also zu geniessen, stand nicht zur Debatte. Rauchen sowieso nicht. Bei mir zuhause wurde nicht geraucht, Alkohol war aber kein Tabu, der durfte genossen werden. Und bei einem weiteren Freund rauchten die Eltern, und es lag nah, dass der Sohn auch irgendwann rauchen durfte. Was er allerdings gar nicht tat.
Für den ersten war es schwer, sich zu emanzipieren, mal ein Bier trinken zu können, ohne damit stundenlange Grundsatzdiskussionen über die Verwerflichkeit des Alkohols heraufzubeschwören. Für den zweiten, mich, folgte spät das heimliche Ausprobieren, das Übertreiben, die Erfahrung und die ständige Selbsteinschätzung und Frage, ob eine Zigarette jetzt wirklich gerade Genuss wäre oder nur die Vorgaukelung von Genuss. Und für den Dritten gab es durch das Fehlen eines Tabus die frühe Selbstauseinandersetzung mit dem Thema Alkohol und Tabak.
Keinesfalls will ich daraus eine politische Forderung nach Enttabuisierung für Kinder und Jugendliche ziehen. Ich betrachte nur interessiert die unter-schiedlichen Wege in den unterschiedlichen Elternhäusern.

Nun kommen also rauchfreie Kneipen und Restaurants. Allo Lokalitäten ohne separaten Raucherraum werden absolut rauchfrei, um nichtrauchende Gäste nicht gesundheitlich zu schädigen. Mit dem Trinken verhält es sich ja etwas anders. Kneipen, die nach Bier stinken, schaden noch nicht automatisch der Gesundheit, das muss der Alkohol schon bei jedem selbst verrichten. Alkoholfreie Kneipen werden wir also wohl nicht erleben. Problematisch sind da eher Aktionen wie das Flatrate-Saufen, wo es wohl weniger um den Genuss als um den Gehalt geht.

Zwei Punkte gehen mir dabei durch den Kopf:
Erstens: Ich selbst kann gut ohne Zigarette auskommen. Daher fällt mir persönlich natürlich ein Kneipenrauchverbot nicht schwer. Die Aussicht, nicht vollkommen verqualmt nachhause zu stiefeln, ist auch eher reizvoll.
Anderen mag das schwerer fallen. Eine Tante meinerseits fährt jetzt – wo auch die Bahn ein allgemeines Rauchverbot in Zügen erlassen hat – nicht mehr nach Sylt, denn, wie sie sagt, mit Heinz fahr ich ja seit Jahren nicht mehr, so schnell, wie der fährt, und mit der Bahn kann ich ja nicht mehr fahren, weil ich solange ohne Zigarette nicht schaffe. Die hat ein wirkliches Problem für sich.
Zweitens: Wirklich allen Wirten gesetzlich ein Rauchverbot vorzuschreiben, halte ich für schwierig. Warum darf es keine reinen Raucherkneipen geben?
Gibt es allgemeines Grundrecht auf Kneipenbesuche, das gewährleistet sein muss?
Muss der Gesetzgeber das allgemeingültig klären?
Würde nicht vielmehr von selbst ein Mix von Raucher- und Nichtraucherlokalitäten entstehen?
Zumindest im Kneipenbereich habe ich da Schwierigkeiten. Wenn bisher irgendeine Gerda in ihrer Eckkneipe jeden Tag ihren sieben Stammkunden ab mittags Pilsbier gezapft hat, während diese ihre Ernte 23 dazu in Kette rauchten, dann ist doch niemand gezwungen gewesen, dort einzukehren. Und wenn ein Bedarf an reinen Nichtraucherkneipen grundsätzlich besteht – was ich keineswegs bezweifle -, würde das nicht auch der freie Markt regulieren, indem das entsprechende Klientel bedient wird? Die allgemeine Bewusstmachung für die Schädlichkeit des Rauchens würde doch Chancen eröffnen!

Tja, mit der Gesetzgebung ist das so eine Sache. Die Rauchverbotsbefürworter haben natürlich den moralischen Vorteil, dass man nicht ernsthaft für das Rauchen sein kann – also liegt das totale Gegenteil doch nah, eben gegen das Rauchen zu sein. Mittelwege sind offensichtlich irgendwie zu kompliziert.

Um den gegenwärtigen Stand der Dinge im neuen gesellschaftlichen Umgang mit Tabak und Alkohol widerzuspiegeln, drei Beispiele aus drei Bundesländern:

In Niedersachsen werden keine Kurse mehr zum Erlernen des Rauchens angeboten:

nicht-mehr-rauchen-lernen.jpg

In Berlin gibt es Kurse zum Abgewöhnen des Rauchens, die es dem Menschen recht einfach machen müssten:

mechanische-entrauchung.jpg

In Nordrheinwestfalen hingegen finden sogar in Gemeindesälen Basare statt, auf denen die Kenner ihre Cocktails anbieten:

martinibasar2007.jpg

7 Antworten zu “Vom Rauchen und vom Trinken”


  1. 1 Frau Antonmann November 20, 2007 um 9:16

    Sie schreiben ja wieder, wie schön. Da gehe ich doch gleich mal ein Kiepchen drauf rauchen:)

  2. 3 yulius November 21, 2007 um 12:47

    Das ist ja auch schon ‘ne Aussage.
    Aber: Warum?

  3. 4 wortteufel November 21, 2007 um 7:26

    Weil ich ohne Einschränkungen für ein Rauchverbot in Kneipen, Restaurants und öffentlichen Gebäuden bin – und zwar nicht nur zu Gunsten der Gäste, sondern auch des Personals.

    Weil kein Raucher durch einen Nichtraucher gestört wird oder ihn ein Nichtraucher gesundheitlich in seiner Lokalwahl einschränkt, ich mich aber nicht mehr länger von Rauchern und ihrer Sucht in meiner Lokalwahl einschränken lassen möchte.

    Jetzt hab ich doch was dazu geschrieben. Mist. Aber löschen ist auch doof.

  4. 6 Klabauter November 26, 2007 um 9:22

    Hm. Sitzen Sie nicht einem Denkfehler auf, wenn Sie reine Raucherkneipen ermöglichen möchten? Was ist das? Das ist doch das, was wir überall haben / hatten. Bei solch einer Möglichkeit, würden sich alle Lokale als Raucherlokal deklarieren und nix hätte sich geändert. Oder?

  5. 7 yulius November 27, 2007 um 12:06

    Ich frage mich halt, ob nicht bei der allgemeinen Bewusstmachung des Nichtraucherschutzes in der Gesellschaft und dem zunehmenden vorhandenen Bedürfnis nach rauchfreien Gastronomiestätten der Kneipenmarkt darauf reagieren würde – von selbst. Ich frage mich das aber nur – ich weiß es nicht.
    Vielleicht muss man aber tatsächlich allgemeine Bestimmungen einführen, weil sich sonst nix richtig ändert.


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