Danke, ´Klimaschützer´.

Da sitzen sie nun also so vor sich hin und warten. Warten auf die nächste große Wahl. Damit endlich die eine der beiden Parteien alleine entscheiden kann. Wie das so läuft mit der Kernkraft. Und weil es bis dahin noch etwas dauert, kommt man halt mal auf Ideen. Leider auf schlechte.
Wenn also der Ölpreis ganz stark ansteigt, überlegen sie sich, man könnte jetzt doch mal davon reden, dass man sich vom Öl unabhängiger machen sollte. Und Kernkraft wäre die Lösung. Hat zwar nix miteinander zu tun, wie auf einem Spartensender ein Experte im Interview vermeldet, das hören aber nicht so viele.
Wenn die Preise mal wieder erhöht werden wollen, überlegen sie sich, die Pflichtabgabe an den Bund als Begründung zu nennen. Das sind zwar nur vier Prozent des Gesamtpreises, aber diesen Hinweis hören nur manche, wenn Sie zur rechten Zeit den richtigen Sender hören. Schriftlich haben es hingegen alle, mir haben Sie es auch geschrieben.
Und wenn das Weltklima in Gefahr ist, überlegen sie, sie könnten sich ja mal als Klimaschützer präsentieren. Das geht nicht, meint vielleicht noch jemand, das ist zu dreist, das merken die! Machen sie trotzdem. Jeder, der es nicht merkt, ist doch ein potentieller Kunde.

Und so schlage ich heute die Zeitung auf und sehe das vor mir:

zeitung-01.jpg

Wunderschöne Landschaft, prima Wetter, blendend weißes Kernkraftwerk an der Flussbiegung. Schön. Und dazu die message: Wer Atomstrom nutzt, schützt das Klima.

Da fällt mir gar nicht mehr viel zu ein.
Gut, mir fällt ein, dass es jedes Jahr in Gorleben Proteste gibt, weil dort niemand den Abfall haben möchte. Diesen radioaktiven. Zwei Seiten weiter in der Zeitung lese ich zudem von Anwohnerprotesten gegen die Flutung eines einsturzbedrohten Bergwerks, in dem bereits reichlich radioaktive Fässer lagern. Eigentlich will niemand, aber auch wirklich niemand, solchen Müll in seiner Nähe haben.
Mir fällt ein, dass gelegentlich mal eine Trafostation brennt und ein Kernkraftwerk besser mal schnell abgeschaltet wird, weil es ein bisschen gefährlich mit dem Zeugs ist.
Mir fällt ein, dass Flussfauna und -flora in Mündungsbereichen von Kernkraftwerken sich ein bisschen verändert haben, der Temperatur wegen.
Mir fällt ein, dass gerade eine Studie diskutiert wird, nach der im Einzugsbereich von Kernkraftwerken das Risiko einer Leukämieerkrankung doch ein bisschen höher zu sein scheint als anderswo.
Mir fällt ein, dass es bei Radioaktivität um Zeiträume geht, die mit denen der Klimaveränderungen in keinster Weise vergleichbar sind.
Sonst fällt mir dazu gar nichts ein.

Das muss man sich mal vorstellen:
Man tippt das Wort Klimaschützer ein und landet bei der Atomindustrie.
Auf die Idee muss man erstmal kommen.

6 Antworten zu „Danke, ´Klimaschützer´.“


  1. 2 jette Januar 13, 2008 um 10:11

    Diverse Riesenplakate hängen hier schon seit einer Weile in der U-Bahn-Station und wechseln sich ab. Bisher kenn ich drei davon, und alle sind supi fotografiert. Und dann steht man da morgens davor und hat so ein mulmiges Gefühl.

    (Als ich’s das erste Mal gesehen hab, dacht ich, ich spinn. Und hab mich mit einer Bekannten darüber unterhalten. Hat sie kaum interessiert.)

    Unser Koch war so erschüttert, weil er im Radio von der Studie hörte, daß im Einzugsbereich von Kernkraftwerken das Risiko einer Leukämieerkrankung „doch ein bisschen höher zu sein scheint“ als anderswo. „Es scheint so“. Ja.

  2. 3 yulius Januar 14, 2008 um 12:03

    So groß ist die Kampagne? Erschreckend…
    Und die Vorgehensweise bei dieser Studie versteh ich absolut nicht; warum sagen irgendwelche Politiker, dass sei ja gar nicht erwiesen, anstatt allein schon aus vorbeugenden Gründen besser Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
    Mensch, in allen möglichen Bereichen gilt das Prinzip der Risikovorbeugung. Hier nicht.

  3. 4 io Januar 20, 2008 um 5:12

    Kernenergie ist nicht CO2 frei. Bei der Förderung des Uranerz bzw. bei der Anreicherung des Urans wird CO2 produziert.

  4. 5 Steffen Mai 24, 2009 um 1:03

    Mannomann, diese „Pseudo-Klimaschützer“, das ist mal net zu fassen.
    Schon eine sehr gedrehte Idee, wie man von Öl auf Atomkraft kommt.

    Außerdem, was hat es für einen vom Öl unabhängiger zu werden und gleichzeitig stärker auf die Atomkraft zu setzen? Auf die Atomkraft ist auf Zeit, der Ausstieg ausder Atomkraft ist in Deutschland ja schon beschossen, nur bis wann ist ja die Frage.

    Außerdem wohin mit dem ganzen Atommüll?`Mit Ausbau der Atomkraft, entsteht noch mehr radioaktiver Müll, der in Zwischenlagern gesammelt werden muss. Und so soll der Müll dann hin? Ein Endlager gibt es noch nicht und wenns sowas geben würde, wer könnte eine Rund-um-die-Uhr Bewachung über mehrere tausend Jahre bis das Matierial in kleinste Teile zerfallen ist, garantieren?

    Die Atomkraft ist eine Technologie, bei der man nicht weiter als bis zum Gartenzaun schaut. Man konzentriert sich nur auf die Produktion von Energie, die Entsorgung des anfallenden Mülls wurde sowohl damals wie auch heute nicht berücksichtigt.

    Man sollte eher der Atommüllproblem beseitigen, bevor man auf die Idee kommt, noch mehr Müll zu produzieren!


  1. 1 Jedem das Seine « Curriculum Trackback zu Juli 11, 2008 um 11:38

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