Vor einiger Zeit hatten wir schon die Phase des vermehrten Verstehens, wenn es darum ging, das Ritual des Zubettbringens durchzuführen. Und schon da verstand der kleine Herr nicht unbedingt alles richtig.
Nun scheint bei Albert die Phase des vermehrten Erklärens angebrochen zu sein. Und wenn schon nicht alles richtig verstanden wird, wird es immerhin richtig erklärt. Von ihm.
Eine ganze Reihe von Schlafliedern stehen mittlerweile zur Auswahl, von Der Mond ist aufgegangen bis zu Die Blümelein, sie schlafen. Allein die Auswahl des jeweils genau richtigen Liedes erfordert ein hohes Maß an Überlegung.
Dafür wird jetzt mitgesungen. Toll ist das, wenn man merkt, wie von Mal zu Mal die Worte pünktlicher formuliert werden, sie manchmal meinem Singen schon ein, zwei Worte vorausgreifen, wenn er sich ganz sicher ist. Was aber nicht unbedingt zum ganz genauen Textverstehen beiträgt. Axel Hacke lässt grüßen.
Heute also Schlaf, Kindchen, schlaf, wobei das Kindchen natürlich beim Namen genannt werden muss. Der Vater hüt die Schaf singen wir weiter, und dann:
Die Mutter schüttelt’s Bäumelein, da fällt herab ein Träumelein.
Bevor es weitergehen kann, bremst uns Albert.
Wer ist der Rab? fragt er.
Welcher Rab? frage ich. Ach so, nein, das heißt: Da fällt - (extra große Pause) - herab. Verstehst du?
Albert versteht.
Wer ist Herr Rab? fragt er.
Nein, sage ich, fällt herab, also, fällt herunter, der Traum fällt herunter, durch das Schütteln, weil die Mutter ja…
Hätt’ ich mir alles sparen können, denn ob ich geredet habe oder nicht, Albert hat sowieso nicht hingehört, sondern ist seinen eigenen Gedanken nachgegangen.
Die er mir dann präsentiert:
Ja, Herr Rab ist nämlich vom Baum runtergefallen, weil er so doll geschüttelt wurde. Von der Mutter.
Und Papa, geht es nahtlos weiter, während ich gerade Mühe habe, die Fassung zu wahren, was ist ‘hüti’?
Große Augen schauen mich an. Ich geh schnell den Text durch.
Ach so, der Vater, sage ich und räuspere mich kurz, der ‘hütet’ die Schafe, der schützt sie also.
Albert plaudert gleich drauflos:
Als wir jetzt auf der Rückfahrt waren, da waren die Schafe, und da war aber kein … kein … Bauer dabei, der die Schafe schützt. Warum nicht?
Und so sind wir, anstatt ein Abendlied zu singen, mitten ins Erzählen und Erklären geraten, über Gatter und Schäfer und das Hüten im allgemeinen und Hunde im besonderen. Und auch die zweite Strophe erfährt anstelle eines Durchsingens den Hinweis, dass am Himmel keine Schafe sein können (weil es ja ganz hoch ist) und die Erkundigung, was denn der Mond da wohl zu sich nähme (was isst der Mond da?). Wodurch der Begriff zunehmender Mond eine ganz neue Bedeutung erhält.
Schließlich sind wir durch. So richtig bedächtiger Abschluss des Tages war das nicht. Aber Wissensdurst dürfte Albert heute Abend nicht mehr haben.
Wun.der.barst, Herr Yulius.
Cleveres Kerlchen, der Albert.
So eine Diskussion um Herrn Rab, Schafe und Gatter lässt einen gleich viel später ins Bett kommen, als ein kurzes “Schlaf, Kindchen Schlaf” - Lied ;)
So ist es, so ist es …
Hihi, ist bei uns auch so. Noch stärker beim Vorlesen. Das ist diese neue Internet-Generation, die machen jedes Medium interaktiv, notfalls mit der Brechstange.
Das kann man ja noch richtig was lernen… ich wusste z.B. nicht, dass “Schlaf, Kindchen, schlaf” eine zweite Strophe hat. Könnten Sie die bitte mal vorsingen oder so?
Folgendermaßen:
Schlaf, Kindchen, schlaf,
am Himmel ziehn die Schaf,
die Sternlein sind die Lämmerlein,
der Mond,der is(s)t das Schäferlein,
schlaf, Kindchen, schlaf.
(Jetzt aber nicht einschlafen!)
Danke, wieder eine Bildungslücke gestopft.
Wunderbar geschrieben!