Um dem soeben gelesenen Leserbrief aus der hiesigen Tageszeitung ein größeres Forum zu geben, hier für alle Netzleser ein Abzug:

So, mehr Zeit ist nicht, ich muss jetzt rücksichtslos und selbstverliebt meine eigene Interessen umsetzen.
Um dem soeben gelesenen Leserbrief aus der hiesigen Tageszeitung ein größeres Forum zu geben, hier für alle Netzleser ein Abzug:

So, mehr Zeit ist nicht, ich muss jetzt rücksichtslos und selbstverliebt meine eigene Interessen umsetzen.
Naja. Ich bin da so dazwischen. Wenn ich ehrlich bin.
Gegen Kindergärten oder Schulen, Sportplätze oder Jugendzentren zu klagen, finde ich absurd. Im Gegenteil finde ich sogar, dass es mehr Räume geben sollte für Kinder und Jugendliche. Mehr Kinderspielplätze, mehr Kindergärten mit „Gärten“ und mehr Möglichkeiten.
Aber was die völlige Unfähigkeit mancher Eltern angeht, ihre Kinder auch mal zu Rücksichtnahme im öffentlichen Raum (z.B. Bussen oder Restaurants) zu erziehen, bin ich da schon ähnlicher Meinung. Auch Kinder müssen lernen, dass es Momente gibt, in denen Rumschreien und Rumtoben sich nicht gehört.
Lernen heißt allerdings nicht Können. Ich frage mich ob ich „Sorge trage“ dafür, dass „wir fast an jedem Ort die Existenz der Kinder gewahr werden“ oder ob das Kind nicht auch einfach nur Kind ist. Und im Wartezimmer quengelt. Und in großen Räumen Echos testet. Bevor es mit zunehmendem Alter Werte zu verinnerlichen lernt.
Vor allem aber: Aus diesem angeprangerten Erzeihungsmissstand heraus gegen Neuschaffung von Kindergärten zu protestieren, ein Grundpfeiler der Wertevermittlung heutzutage, ist kontraproduktiv.
Welches Kind jetzt still im Wartezimmer, in großen Räumen, im Kindergarten sitzt, schreibt in genau 32 Jahren solch einen Leserbrief.
das ist wirklich eine sache des alters. ein zweijähriger kann das nicht – stillsitzen, nicht schreien, nicht quengeln. heisst das dann, dass ich den öffentlichen raum solange verlassen muss, bis das kind ausreichend still sein kann?
und ist es nicht auch einfach eine frage des umgangs mit „störungen“?
1. bsp: gestern war ich mit ben und lilly in der bibliothek. das muss man sich auf der zunge zergehen lassen: ein öffentlicher raum, mit konzentrierter stille, alles erwachsene und dann zwei kinder. ben und lilly. natürlich schreien sie bez. reden laut. natürlich quengeln sie. aber ich kann ja auch damit umgehen, mich nämlich auch mal kurz entschuldigen, wenns zu laut geworden ist oder irgendwas nettes zu den menschen sagen, die da tatsächlich kurz gestört worden sind. ich habe es bis auf wenige male kaum erlebt, dass mir völliges unverständnis oder ärger entgegen gebracht wurde. im gegenteil – ben und lilly schaffen es(gemeinsam mit mir) sich nicht großartig im öffentlichen raum zu verbiegen und dennoch auf zuspruch zu stoßen.
2. bsp unsere hausgemeinschaft (zwei haushalte unter uns. einer mit einem ehepaar ohne kinder, etwas älter beide, der andere haushalt eine ältere dame alleinstehend, 4 große kinder) war von anfang an gegen uns. noch ohne kinder, wurde ständig rumgezickt und an den vermieter geschrieben. dann wurde ich schwanger und ben kam. immer noch ärger aber leiser und eher versteckt. bei kind II hatten wir richtig angst – denn wir waren und sind wirklich laut. und ich bin einfach in die offensive. ich habe mit entschuldigt, wenn ben wieder mal morgens um 6 durch die wohnung donnerte mit bobbycar, ich habe scherzle gemacht über lillys durchgeschrieene nächte und brötchen verteilt…..ich hab mich nicht verbogen. ich hab einfach nur den lärm entschuldigt, erklärt, dass wir versuchen leiser zu sein, dass das aber schwer ist mit zwei kindern. und? was ist?
alle lieben unsere kinder. jeder hat verständnis. die alleinstehende ältere oma hat verständnis und bietet mir an auf die kinder auszupassen. die beiden anderen zeigen ihre goldfische und lassen die kinder den köter streicheln.
ich bin ehrlich gesagt überzeugt, dass ein kindergarten sehr gut und absolut selbstverständnlich in einer siedlung mit anderen menschen (auch ohne kinder) existieren kann. es ist immer nur eine frage des umgangs mit allem und damit, dass vielleicht eine partei erst „weichgespült“ werden muss. ich hau mir keinen zacken aus der krone, wenn ich meiner umgebung entgegen komme, was den „lärm“ meiner kinder angeht – denn dann ich widerrum viel besser verlangen, dass sie sich auch keinen zacken aus der krone hauen, wenn sie mal zwei augen zudrücken.
Ich denke mit kleinen Kindern zusammen muß man ja nicht ALLES machen. Einige Orte braucht man ja nicht aufsuchen. Man kann Orte auch verlassen, wenn man merkt: wir stören hier einfach. Manche Eltern sind rücksichtslos. Es gibt da so eine Haltung: „Kinder sind halt so, seid froh, daß manche Leute welche bekommen“. Man kann ja einfach mal etwas Rücksicht nehmen und für ANDERE Verständnis haben. In einer coolen Lounge-Atmosphäre mit einem Duchschnittsalter von 27 Jahren, da paßt Kinderlärm einfach nicht hin. In der Sauna, wo eingie endlich Ruhe suchen braucht man keine tobende Bande. Die Besucher werden vieles anders sehen, wenn sie Kinder haben. Aber im Moment braucht das einfach keiner. MIR geht es halt manchmal so: WENN ich mal ohne Kinder weg „darf“, dann WILL ICH AUCH KEINEN KINDERWAHNSINN… Man kann mit Kindern ja auch woanders hin…
Was Kindergärten, Spielplätze, Jugendzentren und dergleichen angeht: Wirklich doof sich da aufzuregen: Sollen die Kinder draußen schweigend Körbe flechten oder was?
Fürchterlich, diese Kinder im öffentlichen Raum. Doch vielleicht hat dieser Leserbriefschreiber Rescht? Kinder, die früher leiser waren, rücksichtsvoller. Kinder soll man sehen und nicht hören…über diese Erziehung läßt sich streiten. Doch früher, das sollte man auch mal bedenken, gab es noch Orte, wo Kinder laut sein durften, sich austoben durften. Heute? Wo kann man denn Kinder noch toben lassen, schreien lassen, Kind sein lassen? Diese Orte gibt es, speziell in der Stadt, doch kaum noch.
Für Kinder gibt es keinen Ausgleich mehr. Wenn die natürlich in ihrer Umgebung schreien, toben, Kind sein dürfen, dann kann man zum Ausgleich problemlos verlangen, daß die auch mal die Klappe halten können im öffentlichen Raum. Doch wenn die Kids das nirgendwo mehr dürfen? Nicht draußen auf Spielplätzen, da alles von Häusern zugewuchert wurde, in denen lauter lärmempfindliche Leute wohnen. Auf der Straße spielen geht nicht mehr. Im Haus laut sein geht nicht mehr. Wo soll denn bloß die ganze Energie hin?
Natürlich finde ich es unter aller Sau, wenn Leute grundsätzlich unfähig sind, ihre Kinder ein wenig zur Rücksichtnahme anzuhalten – das muß aber, das hat man oben schon geschrieben, erst mal gelernt werden. Und Rücksichtnahme – das gilt für beide Seiten, finde ich. Ein wenig mehr Toleranz, wie Frau Ami in ihrem Posting letztens geschrieben hat, und das auf beiden Seiten, erleichtert das Leben enorm.
Und ehrlich, in dem Tonfall, in dem dieser Leserbrief gehalten ist: derjenige wird mal damit enden, als Rentner gegen alles und jedes zu klagen. Frustriert und Kleinkariert hört sich das an.
Aber in einem hat der Briefeschreiber recht: wir haben uns Kinder abgewöhnt. Das merke ich immer wieder, besonders, wenn ich in Deutschland bin. Hier sind viele Kinder normal, da gehört ein wenig Hintergrundlärm einfach dazu, das hört man nicht mehr. Ich habe es sogar schon erlebt, wenn ich Ben wegen seines Lärms, Herumrennens, Tobens etc. ermahnt habe, daß ich mir anhören mußte, in leicht amüsiertem Tonfall, daß ich meinen Kleinen doch ruhig lassen soll, er sei doch noch so klein…