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Ein Lächeln

Wie leicht ist es! Wie einfach! Flugs ein paar Worte gesprochen, schon sieht die Welt etwas heiterer aus! Sprich sie nach, sieh, du wirst Wunder bewirken!

So simpel:
Gehe in ein Buchgeschäft. (Online funktioniert es nicht, es muss schon ein wirklicher Buchladen sein.)
Schaue nicht in die Auslage, meide insbesondere die Abteilung des Sachbuchs.
Wende dich direkt an eine Verkaufsperson.
Und frage dann, ob das Geschäft das Buch von Ralph Caspers vorrätig habe, das den Titel hat: Scheiße sagt man nicht!

Und schon wird ein Lächeln auf das Gesicht des Personals gezaubert, vielleicht ein irritiertes, vielleicht ein wissendes, ein schmunzelndes. Aber es wird da sein.

Der Effekt ist wiederholbar, wenn man zur nächsten Person geschickt wird, die sich in dem Bereich besser auskennt, wie man gesagt bekommt. Auf ein Neues wird die Welt gleich ein Stückchen freundlicher.

caspers-buch.jpg

(Das Buch hatten sie dann nicht vorrätig. Ein hervorragendes kleines Buch im Übrigen, was halt ein weiteres Mal verschenkt werden soll. Ein bisschen klugscheißerisch, sehr kurzweilig. Durchaus leseempfohlen!)

Advend, Advend …

… ein Lichdlein brennd …

advendsbraten.jpg

An einen Freund (kleines Gedicht)

Für Albert. 

Oh, guter Freund.
Wegbegleiter, Gefährte.
Stets an meiner Seite.
Trägst mich  auf Flügeln,
führst mich durch die Welten.
Gedanket sei dir, Freund.

Du mein Bobbycar.

Mancher mag in dir nur Plastik sehen,
Rutscheauto, seelenlos.
Antriebsarm dazu.
Ketten hast du nicht,
Pedale brauchst du nicht.
Du bietest Platz nur dem Fuße,
sich abzustoßen,
dir Schwung zu geben.

Ich sitze auf dir,
oder knie,
in leichter Fahrt ich stehen mag.
Dein’ Räder surren vor sich hin,
durchfahren alles, was sich bietet,
sei’s Pfütze oder Dreck,
Erde oder Gras.

Dir stellt sich nichts in den Weg.
Kein Ziel ist dir zu weit,
keine Kurve dir zu eng.
Du kratzt sie,
ohne Scheu.

Hart mag dein Polster sein,
ungefedert dein Elan
- du gibst weiter, was du bekommst,
behältst nichts für dich,
teilst und gibst.

Allein dein Lenkrad bestimmt den Weg,
führt mich meiner Straße,
umkreist, umfährt das Hindernis,
das niemals eines ist.

Leuchte, leuchte, rot und hell,
von ferne schon zu sehen.
Und werde alt, vergilbe gern,
gib Farbe ab, das ehrt dich nur,
dein Alter spricht für dich.

An Kraft verlierst du nie.

bobbycar.jpg

Jugend liest

buch.jpgJugend hört nicht nur, Jugend liest auch. Gut so. Hier auch von einem Krieg der Generationen zu sprechen, wäre natürlich falsch. Sicherlich entwickeln sich  hier ebenfalls Gewohnheiten und Vorlieben, was Art, Qualität und Tiefe der gewählten Literatur betrifft. Aber der Literaturgeschmack als Gesamtkultur ändert sich wohl nicht alle paar Jahre in dem Maße, wie es beim Musikgeschmack der Fall ist.

Viel wichtiger als bei der Musik ist ja eher die Frage: Liest die Jugend denn überhaupt? Kein Mensch käme auf Idee, zu fragen, ob man denn Musik hört. Wäre schon komisch. Und, kann der Kleine denn schon Musik hören? Noch nicht? Tut er sich ein bisschen schwer mit? Oder: Was, die ist jedes Wochenende mit ihrer Clique unterwegs und hängt nächtelang in der Bücherei ab? Kann sie nicht mal ein ordentliches Album hören? Nein, hören tut eigentlich jeder. Verschieden viel, verschiedenes - aber irgendwas.

Lesen ist denn schon aktiver. Und der Reiz des Lesens muss vielleicht auch erst entdeckt werden. Erster Schritt: Vorlesen. Angefangen mit einfachsten Bilderbüchern kann sich Vorlesen durchaus zu gemeinsamem Erleben entwickeln. Lula und Jack lese ich jetzt noch vor - zur Zeit die mehrbändige Reihe mit Artemis Fowl -, obwohl sie beide die Bücher gut alleine lesen könnten. Aber etwas vorgelesen zu bekommen hat wohl noch mal eine eigene Qualität.

Daneben lesen sie aber reichlich selbst. Und was sie lesen, bzw. wie sie lesen, ist schon erstaunlich: Es gibt Dauerbrenner, es gibt Strohfeuer und es gibt Ausprobierer.
Ausprobierer liest man halt mal, vielleicht noch nicht mal ganz, und lässt sie liegen. Abgehakt, uninteressant, vergessen. Es ist keine grundsätzliche Leseunlust, das Lesen zu beenden, die Ursache scheint in der Lektüre selbst zu liegen.
Strohfeuer sind für eine gewisse Zeit durchaus interessant, halten aber nur eine bestimmte Weile. Nach einer Folge von Bänden, die alle gelesen werden müssen, liegen sie irgenwann hier und da rum. Und dann stehen sie irgenwann ordentlich gesammelt in höheren Etagen des Regals. Für immer.
Und Dauerbrenner werden mehrmals gelesen, zum Teil in großen Abständen, zum Teil in Etappen, zum Teil in Ausschnitten. An ihnen hängt das Herz. Sie werden verschlungen, gelebt, zueigen gemacht. Und sie liegen vorzugsweise gestapelt am Bett, in häufig wechselnder Aufschichtungsreihenfolge, gerne auch mit mehreren Lesezeichen oder weit aufgeschlagen.

Was ich dabei glücklicherweise beobachte, ist, dass die Kinder ein Gespür für Qualität entwickeln (oder schon haben, das weiß ich nicht so genau). Ich selbst als Vertreter der doch nun schon deutlich nächsten Generation meine schon, dass eine langjährige Erfahrung mit und durch Bücher ein gewisses Urteil über Qualität kindlicher oder jugendlicher Literatur rechtfertigt- nicht unbedingt im Sinne der Sprach- und Literaturforschung, aber doch mit einem gewissen Blick für Inhalt und Sprache. (Ich befinde mich mit meiner Einschätzung im Übrigen durchaus im Chor mit den tatsächlichen Kinderbuchkritikern.) Denn: Was für die Kinder Dauerbrenner sind, das sind sie - wie für viele Andere - auch für mich. Es mag aus anderen Zeiten stammen, es mag unspektakulär wirken - die Geschichten, die sie wählen, sind auch meine alten Geschichten. Astrid Lindgrens Bullerbü oder Ferien auf Saltkrokan, Ottfried Preußlers Kleine Hexe oder Kleines Gespenst, Erich Kästners Kleiner Mann oder Pünktchen und Anton, Michael Endes Jim Knopf oder Momo - nur einige Beispiele. Das Phänomen: Der Inhalt ist sattsam bekannt und vertraut, aber die Sprache scheint eine Welt zu erzeugen, in die man immer wieder gerne einzutauchen bereit ist.

Vielleicht liegt hier der Hauptgrund: Die Qualität der Sprache scheint mir von großer Bedeutung zu sein. Schlecht geschriebene Geschichten fesseln gar nicht. Mir fallen da irgendwelche Teppichpiloten ein, die nicht zuende gelesen wurden. Und die waren wirklich richtig schlecht geschrieben.
Mittelmäßig geschriebene Geschichten halten eine Weile. Allerdings scheint dann der Informationsgehalt aufgenommen worden zu sein, der Reiz des Lesens und Erlebens wiederholt sich nicht. Die Wilden Fußballkerle wurden beispielsweise zwar gern gelesen, weil man erfahren wollte, was passiert. Danach blieben die Bücher liegen. Scheint so, dass diese Worte an sich nicht den Leser in die andere Welt transportieren können.
Und entdeckt man neue Bücher wie Tintenherz, ist sofort die Qualität des Schriftstellerischen zu beobachten, eine Kraft in der Wortwahl, dem Satzbau, im großen Gesamtbogen, was alles dazu führen mag, dass das normale Buch zu einem eigenen Buch wird.

Wie früh die Fähigkeit, in andere Welten einzutauchen, bereits vorhanden ist, hat mir Albert jetzt gezeigt. In seiner Bücherkiste ist ein bunter Mix aus frühen Bilderbüchern, ersten Vorlesebüchern und späteren Büchern mit etwas mehr Text. Vorlieben hat er auch bereits entwickelt (wobei hier die Qualität der Sprache nicht gerade das Kriterium sein kann). Aber offensichtlich kann man schon in diesen Büchern etwas erleben, und einige Bücher will er immer wieder vorgelesen bekommen.
Albert suchte auf jeden Fall ein bestimmtes Buch mit einem Jungen namens Timo, guckte erfolglos die ganze Kiste durch und fragte mich schließlich:
In welchem Buch wohnt Timo?

Chef, koch!

stabchen2.jpgIch komme gerade vom Besuch eines chinesischen Restaurants nach Hause. Bei der Suche nach einem passenden Gericht blätterte ich in der Speisekarte und fand dort bei einem Gericht folgende Überschrift:

              Spezialität des Chefkochs (2 Personen)

Das machte mich stutzig.

Ich vergaß, darüber nachzudenken, welches Gericht ich denn auswählen wollte. Ich dachte nicht an Morcheln und Bambus, nicht an Ente und Schwein, an Reis an Frühlingsrolle; mein Geist hing der Frage nach, was bloß mit dem Chefkoch los sei und wie die Worte in der Karte verstanden werden sollten.

Folgende Erklärungsversuche gingen mir durch den Kopf:

1. Er ist so massig wie zwei - bei Köchen doch wohl möglich.

2. Es gibt zwei Chefköche - kommt das vor, zwei Chefs?

3. Er ist schizophren - der Arme muss in ärztliche Behandlung!

4. Er ist zwei Chefkochs - da gab’s früher immer so’ne Werbung mit ‘nem Öltank.

5. Er arbeitet für zwei - der Arme schuftet sich noch zu Tode!

6. Es sind zwei - einer ist Chef, einer ist Koch.

7. Der Koch ist sein eigener Chef - das muss ja mal gesagt werden.

8. Er hat zwei linke Hände - ich esse besser woanders.

9. Er sieht doppelt - meine Güte, nehmt ihm den Alkohol weg.

10. Der Trend geht zum Zweitchefkoch - aber muss man jede Mode mitmachen?

11. Er hat sich aus Versehen gezweiteilt - Sanitäter!

12. Mit dem Zweiten kocht man besser - dann könnte der erste ja gehen.

13. Es sind siamesische Zwillinge - schön, dass sie einen Job gefunden haben.

14. Er istthe chefkoch formerly known as chefkoch’ (TCFKAC) - bitte, wenn er will.

Ich war verwirrt. Ganz und gar einleuchtend war keine dieser Möglichkeiten.

Ich war so verwirrt und noch immer so in Gedanken, dass ich, als ich mit dem Auto auf dem Heimweg war, in einer Biegung zwischen Bäumen und durch einige Zweige hindurch das Schild eines anderen Restaurants erblickte, was sich beim zweiten  - hastig vorgenommenen - Hinsehen als Gaststätte ‘Zur Artischocke’ entpuppte.

Bei meinem ersten Blick las ich noch Gaststätte ‘Zur Arschbacke’.

Mein schönstes Ferienerlebnis

eimer-2.jpgWie? Ferienerlebnis? Ich hatte doch gar keine Ferien. Vielleicht ein Erlebnis. Aber schön?

Rückenschmerzen hatte ich. Statt Ferien. Wenn man für Albert einen Sandkasten ausbuddeln soll und im Zentrum des - zukünftigen - Sandkastens ein Drainageloch auszuheben gedenkt, dann sind Rückenschmerzen nach geschätzten 9 Minuten nicht wirklich gut. Vor allem, wenn von den - sowieso kurzen - Ferien erst 21 Minuten (wieder geschätzt) hinter einem, aber noch - Moment - 3800 Minuten vor einem liegen.

Man lässt also arbeiten. Bleibt alles an Knuti hängen. Yul, sagt sie (sie sagt nämlich immer Yul zu mir), also, Yul, lass es lieber, ich schaff das schon. Und weitere 2400 Minuten später hat sie die schwere Steinumrandung fertiggestellt, das Bodenvlies ausgelegt und zwei Anhänger voll des besten Sandes herbeigekarrt. Fertig.

Und dann wird gefeiert. Freunde, Nachbarn, die freiwillige Feuerwehr, der Pastor und seine Frau, der ehemalige Postbote, die Putzhilfe, der örtliche Männergesangsverein, die ansässigen Bauern, der Förster, der Fußballverein, der DJ - sie alle eilen flugs herbei, zu preisen, welch Wunder sich hier offenbart. Und langen bei Bier und Schnitten ordentlich zu. Nicht zu vergessen die Kinder, unsere und 40 bis 50 weitere, manche nie zuvor gesehen, die sich an Zuckerwatte laben, laut juchzend im Karussell mitfahren und den Losverkäufer bestürmen. Ein Fest sondergleichen.

Ich geh gebeugt meinen Gastgebertätigkeiten nach, begrüße hier, rede dort, lobe jene, verweis auf solche und so fort.

Das Fest dauerte drei Tage. Schön war`s.

Nun sind die Gäste fortgezogen, ein letzter Hauch von Abschied liegt noch in der Luft. Die Kinder sind zu Bett - Albert ist noch klein, der ist einfach nur müde, aber Jack und Lula müssen morgen wieder zu Schule - und Knuti räumt letzte Sachen weg.

Aber morgen, wenn Knuti, Jack und Lula weg sind, ich vom Arzt zurückkehre, der mir doch wohl bitte eine Spritze geben wird, und Albert seinen Mittagsschlaf beginnt, dann werde ich ganz leise mein Eimerchen, mein Schäufelchen und mein Förmchen nehmen, mich ganz alleine in den Sandkasten setzen und einen kleinen Kuchen backen.

Nur für mich.

Tippspiel No.1

gummistiefel-2.jpgWir wissen um die besondere Qualität des Verhörens; Axel Hackes wunderbares Wumbaba-Buch und seine Fortsetzung weisen auf die Welten hin, die erst dadurch entstehen, dass die Textzeile eines Liedes missverstanden wird - erst so erbaut sich der Geist eine Welt, die auf andere Weise nie hätte erreicht werden können.

Ich stelle fest, dass die Kunst des Vertippens auf ganz ähnliche Weise dazu anregt, Dinge neu zu betrachten und althergebrachte Vorstellungen zu überdenken.

Der heute vorgestellte Tippfehler diene als erstes Beispiel. Also, hier kommt:

Tippfehler Nr. 1

In einem Kommentar zum aktuellen Fußballbundesligafinale tippte ich neulich irrtümlich Bauern München.

Bauern München. Netter Klub, bestimmt. Wohl eher am Münchner Stadtrand angesiedelt, womöglich mit historischem Dorfkern, erst später angeschlossen und eingemeindet. Eine Vereinigung von Junglandwirten, die sich regelmäßig auf dem Acker trifft - wohl zwischen Melken und Füttern -, um sich den Ball zuzuschieben. Regelmäßig gibt es Auswärtsspiele, zu denen der Trecker zwei Anhänger bekommt, um die Mannschaft zu kutschieren. Wobei zu wünschen ist, dass die Mannschaft insgesamt mehr als zwei Anhänger hat. Andererseits - mit Schlachtgesängen kennen sie sich aus. Wer sind die Gegner? Bauer Leverkusen? Borussia Dorfmund? Eintracht Braunschwein? Und wer ist in der Mannschaft? Schweinsteiger ist wohl sowieso dabei. Aber auch an Olli Hahn kommt man nicht vorbei, ganz zu schweigen von Philipp Lamm. Die besondere Stärke der Mannschaft würde natürlich im Mittelfeld liegen, wo sonst. Sicherlich ständige Feldüberlegenheit. Und der Satz “Dieser Stürmer würde nicht einmal ein offenes Scheunentor aus drei Metern Entfernung treffen!” bekäme dann plötzlich einen viel klareren Bezug zur Wirklichkeit.

Vor allem: Jegliche Arroganz fehlt hier, man steht mit beiden Füßen fest auf dem Boden, versucht mit ehrlicher Arbeit über die Runden zu kommen, hat Heu wie Geld und kann nur soviel investieren, wie man erwirtschaftet hat, kommt mit Wind und Wetter zurecht und kann hinterher ordentlich feiern.

Mal ehrlich: Wenn Sie die Wahl hätten zwischen Original und Tippfehler - wie würden sie die Münchner schreiben?