So alt bin ich, Papa, verkündet Albert und streckt mir seine Hände entgegen.
Wir sitzen im Auto und sind auf dem Weg zum Einkaufen. Mühsam streckt er die Zeige- und Mittelfinger, soviel erhasche ich beim kurzen Seitenblick.
Und so alt werde ich, fügt er hinzu. Es dauert ein paar Sekunden, dann sind auch noch die Ringfinger gestreckt.
Du meinst sicher nur eine Hand, oder? frage ich.
Nein, er meint schon beide. Ist auch okay.
Und wie alt bist du? fragt er.
Ich, sage ich, ich bin so alt, das kann ich nicht mit einer Hand zeigen. Also, ich bin so (ich halte ihm eine Hand mit ausgestreckten Fingern hin und mache sie wieder zur Faust) und so (wieder strecken, wieder Faust) und so und so… Weiter komm ich nicht. Weil Albert lacht.
Guter Witz offensichtlich, so alt zu sein.
Doch, ehrlich, sage ich.
Albert nimmt’s so hin. Er denkt schon wieder an etwas anderes.
Wie macht der Junge von dem Vater mit der Bahn? fragt er und versucht einen weiteren Finger zu strecken.
Ich weiß, was er meint. Tags zuvor hatte ich bei den Großeltern von einem Kind von Bekannten erzählt, und Albert will das nochmal genau hören. Ich wusste gar nicht, dass er es überhaupt mitbekommen hatte. Das besagte Kind hatte bei einem verwandtschaftlichen Zusammentreffen auf die Frage, wie alt es sei, geantwortet, es sei so alt - wobei es vier Finger zeigte -, aber wenn es mit Papa mit der Straßenbahn führe, sei es so alt - wobei es drei Finger zeigte.
Folgsames Kind. Der Vater war daraufhin etwas rot geworden.
Albert findet es, als ich es ihm jetzt nochmal erzähle, nicht sonderlich merkwürdig. Zahlen sind halt relativ. Und warum die Finger mit dem Alter zusammenhängen, ist schon an sich etwas komisch.
Ich mache dann noch den Fehler, den “wahren” Spruch aufzusagen, der mir von früher wieder in den Sinn kommt, obwohl ihm die Zahlen wahrscheinlich sowieso nicht viel sagen:
Also, Albert, hör mal genau zu:
Zehn Finger habe ich an jeder Hand. Fünfundzwanzig an Händen und Füßen.
Woraufhin Albert ganz entrüstet guckt.
Stimmt aber nicht, sagt er.
Doch, ist wahr, sag ich, das stimmt wirklich!
Nein, sagt er, an den Füßen hast du keine Finger.





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