Was macht dieses Ding mit uns? Werden wir alle süchtig? Werden wir dumm? Oder werden wir alle manipuliert, ohne es zu merken?
Kaum ist man mal ein paar Tage außen vor, schon entsteht ein leichtes Gefühl des Defizits. Außen vor meint: Draußen, außerhalb des Computerlebens, in der nicht vernetzten Landschaft, die ohne verdrahteten Kommunikations-austausch auskommt.
Als ich Kind war, fing’s gerade an mit Computern. Mein Vater interessierte sich für so einen Sinclaircomputer, wenn ich mich richtig erinnere. Der hatte ein Feld aus Radiergummitasten, fand ich, und er konnte vielleicht 25 Zeichen in einer Zeile unterbringen. Ich weiß noch heute nicht, was man eigentlich damit machen sollte. Keine Ahnung, wozu es gut sein sollte, 25 Zeichen in einer Zeile unterzubringen. Naja.
Etwas greifbarer wurden Computer dann durch den unvermeidlichen C64 von Commodore. Neben unzähligen Spielen konnte selbst ich in ‘Basic’ ein bisschen programmieren, so etwas wie ein Anzeige- und Ansageprogramm des Spielstandes beim Tischfußball oder so. Das war okay.
Spätestens im Studium kam dann der Schritt zur Rechnergeneration, die der heutigen noch relativ nahe ist. Schrieb ich die erste Semesterarbeit noch auf einer halbautomatischen Schreibmaschine mit Speicher von 3000 eingetippten Zeichen, stieg ich bald auf den Computer meiner schon damals Liebsten um. Tippfehler und Layout - alles war nachzubearbeiten, eine geradezu notwendige Funktion.
Aber nachwievor war es ein Kasten zuhause ohne Anbindung an die Welt da draußen. Datenaustausch fand per Diskette statt, das war’s auch schon. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Überlegung kam, einen Internetanschluss anzugehen. Das analoge Modem hielt damals die Freude auch durchaus noch in Grenzen. Und das Internetangebot war auch noch dünn und ungeordnet.
Welch Unterschied zu Heute! Ich bin also ein paar Tage computerlos unterwegs, und das geht auch sehr gut. Was auch nicht unwichtig ist, denn es ja gibt ein Leben neben dem Internet. Das kommt auch nicht zu kurz.
Aber: Warum geiert man schon bald nach der heimischen Ankunft so, in den Blogs der Anderen zu lesen? Warum hat man das Gefühl, nicht ganz drin zu sein? Hat man sich schon so sehr an diese Art des Lesens gewöhnt, an diese Art der Lektüre, auch des Austausches?
Ich gehe zumindest schnellstens zu meinen bloglines und sehe mir die Liste der Feeds an, um mir die Lieblingsfeeds gleich durchzulesen. Im Übrigen tue ich das auch, wenn ich nicht genug Zeit habe, selbst etwas zu schreiben, wenn mir die Ruhe fehlt, etwas fertigzustellen: Die Feeds kann man immer mal zwischendurch abfragen und somit das Tagesgeschehen verfolgen.
Ich fühle mich ein bisschen wie Jack. Jack ist - auch wenn es mittlerweile vermehrt den Führerschein mit 17 gibt - noch viele, viele Jahre von der Erlaub-nis, ein Auto zu fahren, entfernt. Das ist auch ganz gut so. Denn Jack macht gerne mal eine Fahrt am Com-puter. Eine schnelle Fahrt. Eine sehr schnelle. So, wie er da fährt - ich würde die Wagenschlüssel wohl besser versteckt halten.
Nun, Jack macht also das, wozu er noch nicht kommt, mittels des Computers. Die Geschwindigkeit, den Speed, den sein Fahrrad nicht erreicht, holt er sich aus dem PC. Lieblingsspiel: NEED FOR SPEED.
Tja, und wenn ich ihn so sehe, denke ich:
Bei mir ist es eher NEED FOR FEED.

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