Archiv der Kategorie 'Pause'

Von der Bedeutung des Vaus für Wasser

Merke: Wer ein neues Tafelwasser auf den Markt bringen will, sollte auf den richtigen Anfangsbuchstaben achten.

Wenn ich bisher ein Stilles Wasser kaufte, griff ich immer zu der blauen Kiste mit den VITTEL-Flaschen. Die standen gleich neben den VOLVIC-Flaschen. Standen. Stehen aber nicht mehr. VITTEL wird hier nicht mehr geliefert, erklärte man mir auf Nachfrage, wegen irgendwelcher Großmarktlieferabsprachenveränderungs-dinge und so. Aber damit das arme VOLVIC nicht allein steht, hat es einen neuen Nachbarn bekommen. Dieser Nachbar hat einen Einführungspreis, der unterhalb des anderen liegt, aber bald angeglichen wird (wie der Verkäufer zu einer Kundin sagte). Und der Nachbar hört auf den schönen Namen VIO.

VIO. Mit Vau. Klingt schön. Auf jeden Fall besser als LÜNER. Denn, wenn VITTEL aus der Quelle bei Vittel in Frankreich und VOLVIC aus der Quelle in der Region Volvic ebenfalls in Frankreich stammt, kommt VIO aus der Lüner Quelle. Bei Lüneburg.
Das klingt aber nicht so doll.

VIO klingt trendy. Hip. Gesund. Durch die Lateinanleihe intellektuell. Sportlich. Frisch. Aktiv. Irgendwo zwischen VAIO und VANEO.
LÜNER klingt hausbacken. Eher etwas herb. Provinziell. Beinahe verschreibungspflichtig.

Also schnell einen guten Namen ausdenken und vermarkten. Dasselbe Quellwasser in einer Braunglasflasche mit Papieretikett, auf dem in Schreibschrift Lüner stünde - die Verkaufszahlen wären wohl gering. Lieber VIO, mit glatter Plastikmanschette um die durchsichtige 1,5l-Flasche und Designerschrift. Zum Wohl.

Also: Nicht wundern, wenn uns bald die neuen Getränkenamen entgegenleuchten: VEIN. VODKA. VHISKEY.
Und VASSER.

Nur kurz: (Fernsehende für Fernsehende)

Gerade in den Briefkasten gesehen. Und für alle, die regelmäßig am Fernsehen verzweifeln, etwas gefunden: IKEA kann Abhilfe leisten:

fernseherlosung.jpg

Der genaue Preis  steht da, nicht.
Aber ich hoffe, sie ist bezahlbar, die Fernseh-Erlösung.

pimp my flugzeug

Papa, baust du mir ein Flugzeug?
Albert steht an der Duplokiste.

Klar, mach ich. Duplosteine rausgesucht und gebaut. Zwei Platten, zwei lange Steine, Fahrgestell, bisschen Krimskrams, fertig ist es.

Jaaaa, ein Flugzeug!

flugzeug-1.jpg

(Rekonstruktion)

Eine Runde gedreht, über meine Beine gestolpert, wieder kein Flugzeug.

Mein Flugzeug!

Keine Sorge, sage ich, das kommt in die Werkstatt, dann wird es repariert und dann kannst du es wieder fliegen!

Also, Teile - alle weitverstreut - zusammensuchen und …

Ich bau das wieder zusammen, Papa!

Ja gerne, sage ich, auf geht´s. Ein kleiner Blick in die Zeitung nebenbei, während der Herr am Werkeln ist.

Fertig, Papa!

Und dann steht es da. Das Flugzeug.
Entschieden besser als meines.
Cooler.
Abgefahrener.
Heißeres Design.

flugzeug-2.jpg

Gepimpt halt.

So komm ich mir vor: Na, Al, was wirst du mit dem Fahrwerk machen? fragt der Rapper auf MTV den Mechaniker, als alle um den Tisch sitzen. Yo, zuerst mal werd ich die alten Räder abziehen, dann kommt ein völlig neuer Unterbau auf Kunststoffbasis, die Reifen im Turbolook … und so weiter.

Tja. 
Man selbst baut so langweilig.

 _______________________________________________________________

Bald erneuter Crash, die Redaktion entscheidet sich zu einer weiteren Folge der pimp my flugzeug-Serie, der Stardesigner präsentiert eine weitere Tuningvariante.

flugzeug-3.jpg

Garantiert frisch!

Ganz frisch reingekommen,vom Zentrum der Frische schlechthin:
Zwei Beispiele für sicherlich unbedenkliche Nahrungsmittel:

A) Teigwaren von der Tankstelle (gegenüber vom Restaurant) 

frische-brotchen.jpg

B) Teigwaren von der Karte des Restaurants (gegenüber der Tankstelle)

badnudeln.jpg

Tolle Aussichten!

Ich stelle mir das so vor:
Ein paar Bürohausplaner hocken zusammen und denken sich: Man, es wäre prima, wenn wir mitten in der Innenstadt ein neues Bürohaus bauen würden. So ein Grundstück da ist zwar ziemlich teuer, aber wenn wir ein tolles Bürohaus dahin bauen, dann kommen ganz viele Büromieter, und die mieten alle Büros in unserem Bürohaus und die sind bereit, viel Geld dafür zu bezahlen, weil es ja so ein tolles Bürohaus mitten in der Innenstadt ist.
Also planen sie ein tolles Bürohaus und bauen es für viel Geld. Fertig.
Und dann denken sie: Moment, da war doch noch was, irgendwas fehlt doch noch, mal kurz überlegen, ach ja, die Mieter! Stimmt eigentlich, wo sind die Mieter?
Und dann warten sie ein Weilchen. Und weil dann immer noch niemand kommt, suchen sie nach guten Ideen.
Und dann sagt einer: Wir können ja ein Werbebanner aufhängen, und da schreiben wir drauf, was an unserem Bürohaus besonders toll ist!
Und dann nicken alle, und sie erstellen ein Werbebanner und hängen es ganz groß in ihrem Bürohaus aus.

Schwierig ist es nur, wenn die Position eines Werbebanners, sagen wir mal, unglücklich gewählt ist. Hält man nämlich frontal vor dem Bürohaus an einer Ampel, verhindert ein Teil eines Fensterrahmens (und womöglich auch ein bisschen die Spiegelung der imposanten Glasfassade) das Erlesen des vollständigen Werbespruchs. (Im Vorbeifahren erspähte ich auf jeden Fall noch ein überwiegend verdecktes T am Anfang des Spruches).
Und so dürfte es für die Zukunft der Bürohausvermietung letztlich nur das geben, was der Passant dort lesen kann: olle Aussichten!

tolle-aussichten.jpg

Bunte Tüte 2

Bunte Tüten

Vor einiger Zeit beim Einkaufen:

Ich möchte 100 Gramm Schinkenspeck haben. Ich gehe zur Fleischtheke und warte, bis ich an der Reihe bin. Ich sage, ich hätte gerne 100 Gramm Schinkenspeck. Die Verkäuferin muffelt etwas Undeutliches in ihren möglicherweise vorhandenen Bart (ich kann es nicht genau sagen), greift grob eine beliebige Menge Schinkenspeck und legt sie mit einer Folie auf die Waage.
Ich sehe: 72 Gramm Schinkenspeck.
Die Verkäuferin tippt die Zahl für Schinkenspeck ein, stopft den Schinkenspeck in die Plastiktüte, reißt den Bon ab, tackert ihn an der Tüte fest und legt das fertige Paket auf den Tresen.
Ich zögere ein wenig. Ich sage dann, ich bräuchte in jedem Fall 100 Gramm Schinkenspeck, das sei zu wenig. Die Verkäuferin guckt mich muffelig an, ich spüre dort Wut. Sie greift eine kleinere beliebige Menge Schinkenspeck und legt sie mit der Folie auf die Waage.
Ich sehe: 24 Gramm Schinkenspeck.
Dann geht alles ganz schnell. Ich kann gar nichts sagen. Die Verkäuferin tippt die Zahl für Schinkenspeck ein, der Bon kommt aus der Kasse, sie klappt die Folie mit dem Schinkenspeck einmal über, greift sich den Bon, tackert ihn durch die Folie und legt das Ganze auf den Tresen.
Ich nehme es in die Hand. Ich sehe: Der Bon ist durch die Folie und durch den Schinkenspeck getackert. Eine Tüte gibt es nicht.
Ich lege dieses Etwas zurück. Ich sage Nein, danke und gehe etwas verstört von dannen.

Ich wünsche jedem Menschen, dass er das, was er tut, auch gerne tun.

Gestern beim Einkaufen:

Ich stehe in der Gemüseabteilung.
Zwei ältere Frauen im Gespräch schreiten zum Kohlrabi. Die eine nimmt einen in die Hand und sagt: Heute gibt’s Kohlrabi.
Sie geht zur Waage. Vor dem Drauflegen reißt sie das ganze Grünzeugs ab, legt es zurück in die Kiste und sagt: Das will ich nicht mitwiegen, dann muss ich’s ja mitbezahlen.
Sie wiegt den Kohlrabi, tut ihn in einen Beutel, klebt das Etikett drauf und legt ihn in ihren Einkaufswagen.
Dann geht nimmt sie das  abgerissene Grünzeugs aus der Kohlrabikiste, legt es in ihren Wagen und sagt: Das nehm ich mit für die Kaninchen, das ist hier ja über.

Man kann für alles eine Rechtfertigung haben.

Kaffee, Kunst und Kopie

original.JPGIch weiß nicht mehr, die wievielte Tasse der Kaffeevollautomat mir heute schon ausgehändigt hat. Ich habe nicht mitgezählt. Er schon, er hat ein inneres Zählwerk, und alle vierzehn Tassen meldet er seine Bedürfnisse an.
Ja, der Kaffeeautomat. Wir kennen uns nun schon seit einem Jahr, und in dieser Zeit sind wir uns bereits so vertraut geworden, dass man meinen könnte, wir hätten unser gesamtes Leben miteinander verbracht. Wir verstehen uns, so gut, dass wir bereit sind, alles uns Mögliche für den Anderen zu tun. Ich befülle ihn stetiglich mit Kaffeebohnen, gieße immerzu Wasser nach, befreie ihn von seinen Kaffeepulverresten und reinige seine Auffangschale. Und er erkennt meinen Kaffeebedarf, ohne Murren bereitet er mir Tasse um Tasse.
Heute hat er nun reichlich zu tun. Die Nacht hat ihre Spuren hinterlassen, bei mir, im Gesicht. Wenn Freunde unserer Kinder bei uns übernachten, ist in jedem Falle schon mit einer frühen Geräuschkulisse zu rechnen, in der Regel so laut, dass Albert schon mal ruft, dass der Tag beginnt. Wenn Jacks Freund und er selbst am Abend bereits um kurz nach Neun in einem dunklen Zimmer vorgefunden werden und nur mit Mühe - und kleinen Augen - ins Bad genötigt werden können, ahnt man, dass der Morgen noch früher beginnen kann. Wenn abends um viertel nach Elf dann das schon als Möglichkeit angekündigte kleine Malheur beim Gastkind - dem mit einem kurzen Wecken und dem Lenken zur Toilette eigentlich vorgebeugt werden sollte - bereits passiert ist und diverse Laken- und Bettbezugswechsel vorgenommen wurden, wenn um Vier die beiden Jungs am Bett stehen und über verschnupfte Nasen klagen, Albert sich schon mal meldet, anschließend unüberhörbar Musik aus Jacks Zimmer dudelt - weil wir nicht wieder einschlafen können - man dann wach im Bett liegt, irgendwann eindöst und um Sechs erst zwei laute Stimmen aus Jacks und anschließend eine laute Stimme aus Alberts Zimmer hört - dann ist man froh, dass der Kaffeeautomat mich schon so gut kennt, dass er mich fortan treu umsorgt.

Dass Kaffee auch zur Kunst neigen kann, zeigte sich mir unter der Woche. Vor einiger Zeit kippte auf der Spüle eine vielleicht noch halbgefüllte Kaffeetasse um und ließ wohl einen Teil der Lache überschwappen und hinten an der Wand hinunterlaufen, von vorne nicht sichtbar. Unter der Spüle befindet sich der Geschirrspüler. Und der musste gerade mal aus technischen Gründen nach vorne gezogen werden. Und siehe da: Der Kaffee hatte gemalt. Vom Mahlen eines Kaffees hat man ja schon gehört, dieses war mir neu. Er hinterließ in jedem Fall ein Porträt auf der Oberfläche des Geschirrspülers. Ob ich es bin, der dort porträtiert ist, vermag ich nicht sagen.

kunst.JPG

Neu war für mich in dieser Woche auch noch, dass die Produktpiraterie mittlerweile schon den Nahrungs- und Genussmittelbereich erreicht hat und bis hin zum so geliebten Kaffee reicht. Mit unverblümter Reklame in der Öffentlichkeit werden Plagiate in der Öffentlichkeit beworben und zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen. Ich allerdings werde der Kaffeekopie widerstehen und beim Original bleiben.

kopie.JPG

 

Bunte Tüte 1

Bunte Tüte

Heute sollte mich meine Einkaufsrunde auch zu Aldi führen. Albert und ich fuhren auf den Parkplatz, sahen noch eine Menge freier Plätze, und schwenkten in eine dieser schmalen Lücken ein. Nachdem wir erst noch Kaninchenfutter in der Tierhandlung besorgt hatten, stapften wir zum Auto zurück, stellten den Eimer hinein und gingen weiter. Neben uns hatte mittlerweile ein weiteres Auto geparkt. Und ich musste - nicht zum ersten Mal - feststellen: Der Mercedesfahrer an sich parkt anders als der gewöhnliche Fahrer. Er parkt erstens schräg, und er braucht zweitens zwei Parkplätze. Aber voll. Mittendrauf. In Parkhäusern ist das noch nerviger als hier, wenn die Ebenenanzeige Plätze frei verkündet und so ein Bonze nicht richtig parken kann. Ich frage mich: Kann er es tatsächlich nicht? Zielt er auf die weiße Linie? Hat er Sorge um seine Türen? Braucht er das als Selbstwertgefühl? Oder ist es ihm wirklich nur egal? Ich weiß es nicht. Es hängt aber irgendwie mit diesem Auto zusammen.

Beim Warten an der Kasse musste ich dann an ein lange zurückliegendes Erlebnis beim Schnellrestaurant mit dem großen M denken: Vor uns an der Kasse betrachtete ein Pärchen das Anzeigendisplay; unterhalb der Leuchtziffern stand die Marke: AL DISPLAY stand dort. Guck mal, sagte die eine, is’ auch von Aldi - was heißt’n ’splay’?

ohne-deko.JPGBeim Rausgehen griff ich mir den Prospekt mit den Angeboten der nächsten Woche. Und war erstaunt, das mittlerweile schon Toilettenpapier als Dekorationsmittel taugt. Wie sollte man die Angabe auf dem Bild sonst verstehen?

Schließlich brachten wir alles zum Auto. Während des Einpackens kam ein lokaler umtriebiger Kleinpolitiker der gelben Partei mit seinen zwei kleinen Kindern vorbei und stieg in sein Auto. Und ich muss sagen: Wenn man von diesem Herrn dauernd von Eingaben hier, Anfragen dort, Forderungen nach diesem und jenem in der Zeitung liest, stets mit Blick auf die Zukunft, und für die Kinder, dann schüttele ich doch deutlich den Kopf, wenn beim Wegfahren seine beiden Kinder fröhlich auf der Rückbank herumturnen. Unangeschnallt.

Bunte Tüten

Kenn ich noch von früher. Wahrscheinlich gibt’s auch heute noch Bunte Tüten, aber ich bin da nicht auf dem Laufenden.

Bunte Tüte hieß auf jeden Fall: Man hatte am Kiosk etwas mehr Geld, und man bekam einen Süßigkeitenmix, der den Kioskbetreiber meist glücklicher als das Kind machte. Denn wenn man in irgendeiner Hosentasche ein oder zwei Pfennig fand, ging man zur Bude, wie es bei uns hieß, und kaufte sich Salis. Ein oder zwei Salis halt. Die großen Salinos kosteten ja 5 Pfennig, da musste man schon mehr Glück beim Geldfinden haben. Lakritzbrezeln, Weingummi und sowas - alles fünf Pfennig. Und für zehn Pfennig gab’s ein abgebrochenes Stück Schokolade, so zweilagige, mit Kokosraspeln drin, glaub ich.

Und wenn man richtig Geld hatte, fünfzig Pfennig von der Tante beispielsweise, dann konnte man sich entscheiden: Vielleicht wollte man sich selbst ganz glücklich machen und den Kioskbesitzer nerven: Dann überlegte man, wenn man dran war, gut, was man als Erstes nehmen würde, sagte dann zwei Weingummikirschen, ließ den Kioskmenschen die Dose suchen, den Deckel abnehmen, zwei Weingummikirschen rausnehmen, die Dose schließen und sie wieder wegstellen, überlegte nochmal gut, sagte eine weiße Maus, ließ den Menschen jene Dose suchen und wiederum alles notwendige tun, zögerte dann einen Moment, sagte gedehnt dann noch drei Lakritzbrezeln, nach dem ganzen notwendigen Vorgang ließ man dann zwei saure Schnüre, eine Lakritzschnecke, fünf Salis und ähnliches folgen, rechnete nochmal nach und verspürte dann nochmals Lust auf eine weitere weiße Maus für die letzten Pfennige. Das ganze dauerte dann seine geschätzten acht Minuten, bescherte einem einen Mix nach Wunsch und war für den Kioskbetreiber nur okay, wenn man alleine oder der Erste in einer Schlange von Kindern war. Sonst nicht.

Im Sinne des sozialen Miteinanders ließ man sich aber wohl doch eher eine Bunte Tüte geben, vorgepackt vom Besitzer, zu fünfzig Pfennig oder ‘ner Mark, innerhalb von Sekunden abgewickelt. Allein: Was genau drin war, wusste man nicht. Bunt war’s auf jeden Fall, grundsätzlich auch okay, ein bisschen von diesem, ein bisschen von jenem, die inhaltlichen Gewichtungen aber hätte man sich vielleicht etwas anders gewünscht.

Solch eine Bunte Tüte pack ich ab jetzt gelegentlich in die Pausenhalle des Curriculums: Kleinigkeiten von hier und da, zuwenig, um eine volle Haribotüte draus zu machen, aber zum Naschen vielleicht gerade recht.

(Und vielleicht gibt’s auch mal was für ein oder zwei Pfennig!)

Bunte Tüte 1

Wieder da!

wieder-da.jpgKuckuck, ruft Albert. Wieder da!

In einem Kinderbuch. Einem von Alberts Lieb-lingsbüchern. Der Buch-Albert versteckt sich herrlich unbedarft und freut sich anschließend stets, wieder da zu sein.

So geht’s mir auch.
Nun habe ich mich nicht gerade versteckt, im Sommerloch, aber ich freu mich ebenso, wieder da zu sein.

Urlaub hat ja nun schon etwas besonderes. Anderer Tagesablauf, anderer Ort, gerne auch andere Kultur - wunderbar. Aber danach geht es in den Alltag zurück. Und wenn man sich darauf durchaus wieder freuen kann - dann, so habe ich das Gefühl, hat man in seinem Leben schon einiges richtig gemacht. Oder das Leben hat für einen schon einiges richtig gemacht. Je nach Sichtweise.

Tatsache ist, dass ich durchaus damit leben kann, dass Urlaub ein Extra ist und nicht die Normalität. Gut, es gibt das Gefühl, ein paar Tage mehr würden auch noch passen, oder auch, andere Ziele - von denen man durch kurze Urlaubsberichte Anderer hört - würde man auch gerne bereisen. Grundsätzlich aber bin ich gerne da, wo ich hingehöre: Zuhause.
Ich komme gerne zurück, freue mich auf die Vertrautheit, schätze mein volles Arbeitszimmer, meine Musikanlage, das Klavier, die sich mittlerweile auf einem ordentlichen kleinen Stapel sammelnden Zeitungen der letzten Zeit, auch die Freunde, die ihrerseits zurückkehren, die kurzen Gespräche mit den guten Nachbarn, das Gehen bekannter Wege, das Schauen vertrauter Ausblicke, das Hören vertrauter Geräusche und Tiere, das Riechen vertrauter Gerüche, der Luft, des Hauses - und blicke zuversichtlich auf die kommenden Tage.

Die Erfahrung sagt mir inzwischen auch, dass der Einstieg in den Alltag fließend ist. Kein harter Schnitt kündet von der Unbarmherzigkeit des Wechsels von Uralub und Alltag, vielmehr stellt man - mit leichter Dankbarkeit - fest, dass der erste Alltag auch schon wieder einen Feierabend bereithält, dass das Wetter am letzten freien Abend - wo man noch bis spät im Garten gesessen hat - das gleiche ist wie am nächsten Abend - wo man schon wieder im Garten sitzt.
Allein die Müdigkeit ist im im Alltag stärker. Aber deren Zunahme erfolgt in Etappen, nicht auf einen Schlag. Auch da verläuft die Grenze zwischen Urlaub und Alltag fließend.

Und so denk ich gern an den Nicht-Alltag zurück.
Und ebenso freue ich mich auf den Alltag.
Wieder da!

Nächste Seite »