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You don’t know the number of your friends

Das hängt irgendwie in meinem Kopf. Ein Bekannter hatte mal einen Demosong gemacht, in dem diese Textzeile vorkam, so oder so ähnlich. Fand ich ganz gut.

Mir ging es jetzt wieder durch den Kopf, als ich binnen weniger Tage das Freundschaftsverhalten von Jack, Albert und Lula beobachten durfte. Als Folge dieser Eindrücke stelle ich mal eine doppelte These auf:
Je älter ein Kind ist, desto mehr Freunde will es treffen    und
je mehr Freunde es trifft, desto mehr Stress gibt es.
Ist nur mal so’ne These. Kann auch anders sein.

Tatsache ist:
Lula ist auf einem Geburtstag. Kindergeburtstag kann man fast schon nicht mehr sagen. Vierzehn Leute sind da. So viele müssen es halt sein, mittlerweile. Das Ende vom Lied: Von den Jungs sind nach und nach schon ein paar abgezogen, um Fußball zu gucken. Andere bleiben noch im Partyraum - während der Rest der Truppe von Haustür zu Haustür zieht und Dinge tauscht - und essen erst den Riesenpudding für später auf, bevor sie gehen. Zwei Mädchen wollen bald abgeholt werden, weil sie das Spiel peinlich finden, eine Dritte muss dann aus fahrtechnischen Gründen auch schon mit. Resultat: Tränen beim Geburtstagskind, großes Gerede, Streit.
Schade.

Albert kommt aus dem Kindergarten. Günther ist mein Freund, verkündet er. (Er heißt tatsächlich Günther.) Ich will mich heute mit Günther treffen, schiebt er hinterher. Wo wohnt Günther? Kannst du Günthers Mama anrufen? Wann können wir zu Günther losfahren?
Niedlich.

Und Jack? Kommt aus der Schule, packt seinen Ranzen weg, geht in die Küche, stellt sich an den Esstisch, ordnet sich kurz und sagt: Kann ich mich heute mit Laura … (kurzer Moment des Konzentrierens), Sarah … (wieder Pause, und ich muss ganz leicht schmunzeln), Esther … (ich guck mal besser etwas runter), Lea … (ich kneif den Mund zu) und Lisa spielen? (Ich sammel mich kurz.) Wir haben einen Club gegründet, und wir müssen heute an der Scheune unser Haus bauen, mit Stöckern und Ästen und so…

Klar, sage ich, wenn du deine Sachen fertig hast, kannst du das machen. Und Jack marschiert zum Telefon, um dem Club zu sagen, dass es klappt.

Oh du glückliche Kindheit.

Ein Lächeln

Wie leicht ist es! Wie einfach! Flugs ein paar Worte gesprochen, schon sieht die Welt etwas heiterer aus! Sprich sie nach, sieh, du wirst Wunder bewirken!

So simpel:
Gehe in ein Buchgeschäft. (Online funktioniert es nicht, es muss schon ein wirklicher Buchladen sein.)
Schaue nicht in die Auslage, meide insbesondere die Abteilung des Sachbuchs.
Wende dich direkt an eine Verkaufsperson.
Und frage dann, ob das Geschäft das Buch von Ralph Caspers vorrätig habe, das den Titel hat: Scheiße sagt man nicht!

Und schon wird ein Lächeln auf das Gesicht des Personals gezaubert, vielleicht ein irritiertes, vielleicht ein wissendes, ein schmunzelndes. Aber es wird da sein.

Der Effekt ist wiederholbar, wenn man zur nächsten Person geschickt wird, die sich in dem Bereich besser auskennt, wie man gesagt bekommt. Auf ein Neues wird die Welt gleich ein Stückchen freundlicher.

caspers-buch.jpg

(Das Buch hatten sie dann nicht vorrätig. Ein hervorragendes kleines Buch im Übrigen, was halt ein weiteres Mal verschenkt werden soll. Ein bisschen klugscheißerisch, sehr kurzweilig. Durchaus leseempfohlen!)

Ich spekuliere ein bisschen (6.)

Jaja, gestanden, diesmal einen Zettel gefunden, der vor Samstag noch raus muss:

Einkaufszettel Nr. 7

einkauf-07.jpgSo, denn hamma ma de 26, dat is doch mal ne schöne Zahl, woll. Denn hatt isch mir noch eine aufgeschriebn, wo war se denn, watte mal, ah hier, also de 45. Janz schön hoch vielleisch, abba ejal. Denne de 36, ei, da war isch doch schonne mal, wo isse denn, hier, jut. De 10 steht hier, wo find isch die denne nu, ma kuckn, ah hier, bei de 11. Denn de 22, hab isch och schonn mal jesehn, hab isch gleisch, woll, da isse. Un de 39, mann, da muss isch ja wieda voll nach hinten, so, Kreuz druff, fertisch.

Und mitte Zahln vonne Berta, dat soll se mal selba machn, nachher mach isch da watt falsch. Un den Jewinn will se sowieso nisch mit mir teiln. Soll se ma schön selba hinjehn.
Isch bin jedefalls fertisch.
An mir liechts nisch.
Von mir aus kann de Jewinn kommn.

Isch watte.

(Wer noch auf der Suche nach Lottozahlen für den morgigen Samstag ist, darf sich gern bedienen. Das Risiko einer Teilung eines eventuellen Gewinnes sollte allerdings berücksichtigt werden.)

Nachtrag:
Eine Richtige. Vergeblich gewartet.

Ich spekuliere (5.)

Bereits gestanden, auf ein Neues:

Einkaufszettel Nr. 6 

einkauf-06.jpgSo, zuerst also mal Nutella. Hach, dies süße am Morgen, ohne geht gar nicht. Bei dir auch? Ja, kennst du, ne? Meine Beraterin, die sagt zwar, weglassen wär besser. Aber ich brauch das morgens. Sonst komm ich nicht in die Gänge. Dann hab ich schon gleich schlechte Laune. Morgens gleich auf’n Körper achten, nee, kann ich nicht. Ist auch einfach zu lecker. Da geht aber auch was weg von dem Zeugs, man, man.

Vielleicht gehst du besser mal da weg von dem Zeugs.
Man, man.

Und Kirschgrütze, mmh. Ist nicht soo gut für mich, aber ab und zu muss das einfach sein. Mmm, da könnt’ ich mich reinsetzen. Also, nehm ich mal viermal Kirschgrütze. Dafür ess ich ja wenig zum Mittag, so. Und Obstgarten, das ist leichter. Das tut dem Körper gut, das darf ich ruhig essen. Ist nicht so lecker, aber geht so. Magst du auch nicht so? Nee, ist so säuerlich, ne? Probier mal mit’n bisschen Zucker drauf, du! Schmeckt besser dann! Also, achtmal Obstgarten.

Vielleicht, ähm, einfach mal Obst aus dem Garten?

Denn noch Kaffee, aber ‘n guter muss es immer sein. Und stark. Und italienisch. Weißte noch, Italien letztes Jahr, im Sommer? Dieser Kaffee! Und dieses Eis! Also, am besten Lavazzo.

Ist auch besser als Tchiba oder Eduscha.

Jetzt Hygieneabteilung: Ich brauch Toilettenpapier, Tempo und Klammertabs.

Klammertabs, gut.
An der Klammer hängt ja auch immer soviel Kirschgrütze.

Dann noch Clotücher. Weißte, diese feuchten, die sind ganz angenehm. Und die riechen so gut. Und Clospüler brauch ich auch neu. Wieder mit diesem Duft, nach Blumen und so!

Ah, das hat Stil.
Hier bekommt das Örtchen eine charmante Note.
Und einen neuen Anfangsbuchstaben.
Fehlt noch Clopapier, oder?

Nun eine Springform. Für meine Kuchen. Immer fertige Kuchen zu kaufen geht ja ganz schön ins Geld, ne? Und meine Beraterin sagt, man staunt sowieso, wenn man weiß, wieviel Zucker in so’nem Kuchen drin ist. Und: Recht hat’se! Was ist da für Zucker drin, bis mein Kuchen schmeckt!

Also, auf  zu den Cüchenartikeln.

Und dann: Was süßes. Nur für zwischendurch. Nein, du, nicht statt richtiger Mahlzeit, nur so als Extra. Eine kleine Nascherei hab ich mir verdient. Für die Seele, weißt du?

Clar.
War ja auch noch nichts Süßes dabei, bisher.

Geschenkmöglichkeiten

Das Bürofax spuckt ständig Angebote aus.
Ich reiche sie einfach an Sie weiter:

FAX 1
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Fahren sie Ihren eigenen Hummer!    Bitte? Einen Hummer fahren? Essen könnte ich meinen eigenen Hummer vielleicht noch, aber fahren…
Es ist das ideale Weihnachtsgeschenk oder einfach für sich selbst.    Und das ist der ideale Satzbau oder für die Tonne.
So schön, damit er auch ideal zur Dekoration ist.    Ach, deshalb.
Super Partnergeschenk.    Warum? Kennen Sie meinen Partner?
Wenn Sie sich für 2 verschiedene Frequenzen entscheiden, dann können Sie sogar zusammen Rennen fahren! So steuern Sie nicht plötzlich das Auto des anderen.    Ich soll also zwei bestellen, aha.

Vielleicht doch lieber Die elektriche Zigarette die Erfindung des Jahres.    Das klingt doch chon verheißungsvoll.
Wenn Sie bis zum 20-12-06 bestellen, erhalten Sie die Ware noch zu Weihnachten.    Weihnachten 2009? Oder ist das eine alte Faxvorlage?
Versandkosten: 17,50 Euro … alle Preise exkl. 19% Mwst.    Macht, Moment, 79 Euro für meinen Hummer, plus 19%, also 15,01 Euro, sind zusammen 94,01 Euro, zuzüglich Versand für 17,50 Euro, macht insgesamt 111,15 Euro. Für das ideale Weihnachtsgeschenk. Oder einfach für sich selbst.

FAX 2
fax-2.jpg
Ferngesteuerter Helikopter, der echt fliegen kann!    Das erwarte ich eigentlich auch von einem ferngesteuerten Helikopter.
Dieser Helikopter wird ihnen viele interessante und kurzweilige Flugstunden ermöglischen.    Net möglisch…
Der einzige Helikoter, der gut fliegt.    Wie, flog der andere vom ersten Fax, der auch von Ihnen angeboten wurde, also nicht gut?
Wenn Sie sich für 2 verschiedene Frequenzen entscheiden, dann können Sie sogar zusammen Rennen Fliegen! So steuern Sie nicht plötzlich den Helikopter des anderen.    Oder den Hummer.
Die elektrische Zigarette … Die Erfindung des Jahres 2007.    Äh, war das nicht schon auf der Faxvorlage des letzten Jahres?
Die Zigarette zum Stoppen oder gesund weiterrauchen!    Ohne Worte.
Wie funktionierts?    Was? Das mit dem Apostroph?
Diese elektrischen Zigaretten sind ausgerüstet mit kleinen Batterien und wenn man daran zieht, gibt die Zigarette einen kleine Menge an Nikotin frei.    Ich ziehe aber nicht an Batterien.

FAX 3
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Nationalflaggen mit Mast.    Oh, also Mastflagge statt Mastgans!
Ein wirklich tolles Angebot!    Danke, hätte ich ohne diesen Hinweis nicht bemerkt.
Ein Muss, nicht nur vor’m, Hotel.    Hast’e gehört, Hotel? Ein Muss, nicht nur vor’m! Nee, auch hinter’n!
Riesige 6,20 Meter.    Zum Glück riesige, nicht so kleine 6,20 Meter…
Wenn kein Land angegeben wird liefern wir schwarz rot gold.    Vorsicht, nicht so laut rausposaunen, dass Sie schwarz liefern! Aber so kommen wir, glaube ich, ins Geschäft!
Also Bestellschein: Ja, wir bestellen hiermit die Flagge 6,20 Meter mit Seilzug, Deutschland-Fahne und Bodenhülse. Die Lieferung erfolgt für nur 8,- Euro. Wir haben vier Wochen Rückgaberecht, wenn uns das Angebot nicht gefällt. So können Sie sich von der Qualität erst überzeugen!    Ähm, wovon wollen Sie sich erst überzeugen? Von der Qualität der Bestellung? Des Bestellscheins? Des Geldes? Na, egal.

FAX 4
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Künstliche Weihnachtsbäume für Ihre Dekoration.    Das klingt verheißungsvoll.
Natürlich nachgebildete Tannenzweige.    Ja. Natürlich sind die nachgebildet. Sind ja künstliche Weihnachtsbäume.
Teilweise haben wir die Bäume zu 3-fachen Preisen im Handel gesehen.    Teilweise? Ein Teil von Ihnen hat sie gesehen? Sie haben einen Teil gesehen?
Ersparen Sie sich ab jetzt jedes Jahr die Mühe mit echten Tannenbäumen.    Wie, ich soll mir ab jetzt jedes Jahr mit echten Tannenbäumen die Mühe ersparen? Die Mühe, Ihren künstlichen Weihnachtsbaum zu ertragen? Ach, ersparen Sie sich doch ab jetzt jedes Jahr die Mühe mit Ihren Angeboten.

FAX 5
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Rubberlights – für Ihre Winterbeleuchtung … SUPERKLASSE & SUPERMODERN.    Und SUPERTEUER UND SUPERNERVIG.
Referenz: z.B. sämtliche stilvollen Gebäude Monte Carlos, Hotel de Paris, Casino uvm.    Referenz: z.B. sämtliche stilvollen Gebäude Wanne-Eickels, Zimmer-Frei (3x klingeln, nach Kalle fragen), Uschi’s Bierstübchen, Spielhölle uvm.
8 Kahre Lebensdauer.    Das ist doch mal ’ne Aussage. Egal, wie oft und wie lange das Ding brennt, nach 8 Jahren ist Schluss. Das ist ein Wort. Länger hält es sicher nicht.

FAX 6
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Ihr Weg zur akademischen Würde!    Würde lieber vorsichtig sein, hier von ’Würde’ zu sprechen.
Möchten Sie einen Doktortitel führen?    Ach ja, gerne, danke.
Sie sind erfolgreich im Beruf, haben aber keine Zeit für ein jahrelanges Promotionsverfahren?    Ja genau, das ist es! Die Zeit fehlt mir einfach, wissen Sie!
Sie wollen diskret, schnell und legal einen Titel erwerben, der Ihnen zu mehr Prestige und Ansehen verhilft?    Ja, ja, ja! Aber was ist dieses ’Prestige’? Meinen Sie damit Geld?
Dann helfen wir Ihnen (auch ohne Abitur und Studium)!    Toll! Sie sind ohne Abitur und Studium, und trotzdem helfen Sie mir. Danke! Das hat mir gerade noch gefehlt.

Schon wieder

Wenn Jack beim Abendbrot fragt:
Mama, hast du schon wieder geheult?

Dann gucken zuerst alle der Mama ins Gesicht und suchen nach Spuren getrockneter Tränen.

Dann fragt die Tochter (die so sensibel für sowas ist) besorgt, was denn los sei.

Dann frag ich mich: Hab ich irgendetwas verpasst?
Welche Wahrnehmung hab ich?
Und: Welche Wahrnehmung hat mein Sohn?
Was für ein Familienbild hat er?
Mutter heult ständig, keiner außer ihm kriegt was mit?

Wenn die Mutter aber dann ebenso verwundert den Kopf schüttelt und Jack ergänzt, er meine, ob sie beim Zelda-Spielen am Computer schon wieder mit den Wölfen geheult habe, dann wird mir bewusst, dass dieses Kind in letzter Zeit häufig scheinbar zusammenhangslos und eben aus dem Nichts in eine beliebige Situation hinein Fragen zu Zelda stellen kann, die beweisen, dass es ihn stark beschäftigt. Und das seine Mutter so involviert ist, dass sie ihm meist weiterhelfen kann.

Und das Fazit ist, dass an dem Spiel wohl was dran sein muss.
An unserer Ehe aber auch.

Vom Rauchen und vom Trinken

Andere Länder, andere Sitten.
Also: Andere Bundesländer, andere Nichtrauchergesetze.

Da sitzt man nun im Westfälischen in einem Restaurant, und während man eine Speisekarte durchblättert, schnuppert man, stutzt kurz, wirft einen Blick auf den eigenen Tisch und wird gewahr, dass dort ein Aschenbecher steht. Man. So, wie früher. Deshalb auch der Rauch vom Nebentisch.

Nicht dass ich rauche. Also, nicht ständig. Gelegentlich.
So, wie ich trinke: Nicht ständig. Gelegentlich.

Tabak und Alkohol werden ja den sogenannten „Nahrungs- und Genuss-mitteln“ zugerechnet. Das Gewicht liegt da bei mir nach wie vor auf dem zweiten Begriff, dem Genuss. Ich bin nicht abhängig davon. Und ich bin froh darum. Gerade die Abhängigkeit von Tabak ist ja gesellschaftlich akzeptierter als die von Alkohol. Es ist schon ein Leichtes, zum Raucher zu werden. Und es ist schwierig, gelegentlich zu rauchen, ohne gleich als Raucher gesehen zu werden.
Ein Freund aus der Schulzeit hatte ein Elternhaus, das strikt gegen beides war. Ein Feierabendbier zu trinken, es also zu geniessen, stand nicht zur Debatte. Rauchen sowieso nicht. Bei mir zuhause wurde nicht geraucht, Alkohol war aber kein Tabu, der durfte genossen werden. Und bei einem weiteren Freund rauchten die Eltern, und es lag nah, dass der Sohn auch irgendwann rauchen durfte. Was er allerdings gar nicht tat.
Für den ersten war es schwer, sich zu emanzipieren, mal ein Bier trinken zu können, ohne damit stundenlange Grundsatzdiskussionen über die Verwerflichkeit des Alkohols heraufzubeschwören. Für den zweiten, mich, folgte spät das heimliche Ausprobieren, das Übertreiben, die Erfahrung und die ständige Selbsteinschätzung und Frage, ob eine Zigarette jetzt wirklich gerade Genuss wäre oder nur die Vorgaukelung von Genuss. Und für den Dritten gab es durch das Fehlen eines Tabus die frühe Selbstauseinandersetzung mit dem Thema Alkohol und Tabak.
Keinesfalls will ich daraus eine politische Forderung nach Enttabuisierung für Kinder und Jugendliche ziehen. Ich betrachte nur interessiert die unter-schiedlichen Wege in den unterschiedlichen Elternhäusern.

Nun kommen also rauchfreie Kneipen und Restaurants. Allo Lokalitäten ohne separaten Raucherraum werden absolut rauchfrei, um nichtrauchende Gäste nicht gesundheitlich zu schädigen. Mit dem Trinken verhält es sich ja etwas anders. Kneipen, die nach Bier stinken, schaden noch nicht automatisch der Gesundheit, das muss der Alkohol schon bei jedem selbst verrichten. Alkoholfreie Kneipen werden wir also wohl nicht erleben. Problematisch sind da eher Aktionen wie das Flatrate-Saufen, wo es wohl weniger um den Genuss als um den Gehalt geht.

Zwei Punkte gehen mir dabei durch den Kopf:
Erstens: Ich selbst kann gut ohne Zigarette auskommen. Daher fällt mir persönlich natürlich ein Kneipenrauchverbot nicht schwer. Die Aussicht, nicht vollkommen verqualmt nachhause zu stiefeln, ist auch eher reizvoll.
Anderen mag das schwerer fallen. Eine Tante meinerseits fährt jetzt – wo auch die Bahn ein allgemeines Rauchverbot in Zügen erlassen hat – nicht mehr nach Sylt, denn, wie sie sagt, mit Heinz fahr ich ja seit Jahren nicht mehr, so schnell, wie der fährt, und mit der Bahn kann ich ja nicht mehr fahren, weil ich solange ohne Zigarette nicht schaffe. Die hat ein wirkliches Problem für sich.
Zweitens: Wirklich allen Wirten gesetzlich ein Rauchverbot vorzuschreiben, halte ich für schwierig. Warum darf es keine reinen Raucherkneipen geben?
Gibt es allgemeines Grundrecht auf Kneipenbesuche, das gewährleistet sein muss?
Muss der Gesetzgeber das allgemeingültig klären?
Würde nicht vielmehr von selbst ein Mix von Raucher- und Nichtraucherlokalitäten entstehen?
Zumindest im Kneipenbereich habe ich da Schwierigkeiten. Wenn bisher irgendeine Gerda in ihrer Eckkneipe jeden Tag ihren sieben Stammkunden ab mittags Pilsbier gezapft hat, während diese ihre Ernte 23 dazu in Kette rauchten, dann ist doch niemand gezwungen gewesen, dort einzukehren. Und wenn ein Bedarf an reinen Nichtraucherkneipen grundsätzlich besteht – was ich keineswegs bezweifle -, würde das nicht auch der freie Markt regulieren, indem das entsprechende Klientel bedient wird? Die allgemeine Bewusstmachung für die Schädlichkeit des Rauchens würde doch Chancen eröffnen!

Tja, mit der Gesetzgebung ist das so eine Sache. Die Rauchverbotsbefürworter haben natürlich den moralischen Vorteil, dass man nicht ernsthaft für das Rauchen sein kann – also liegt das totale Gegenteil doch nah, eben gegen das Rauchen zu sein. Mittelwege sind offensichtlich irgendwie zu kompliziert.

Um den gegenwärtigen Stand der Dinge im neuen gesellschaftlichen Umgang mit Tabak und Alkohol widerzuspiegeln, drei Beispiele aus drei Bundesländern:

In Niedersachsen werden keine Kurse mehr zum Erlernen des Rauchens angeboten:

nicht-mehr-rauchen-lernen.jpg

In Berlin gibt es Kurse zum Abgewöhnen des Rauchens, die es dem Menschen recht einfach machen müssten:

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In Nordrheinwestfalen hingegen finden sogar in Gemeindesälen Basare statt, auf denen die Kenner ihre Cocktails anbieten:

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Die Dritten

Die Dritten sind doch irgenwie anders als die beiden Ersten.

Beim Sport beispielsweise, da streiten sich im Finale noch zwei um den ersten Platz und sind eventuell mehr enttäuscht über einen zweiten Platz, wenn sie das letzte Spiel verlieren, während die Dritten schon im Halbfinale an ihre Grenzen gekommen sind und nun vielleicht zufrieden Dritter sind, da sie als letztes einen Sieg einfahren konnten.

Oder beim Fernsehen: Da ist zwar das Erste nicht automatisch das Erste, aber das Zweite versucht doch ständig, seinen Zweiter-Komplex abzulegen und mit dem Ersten gleichzuziehen, in jeglicher Hinsicht. Die Dritten hingegen können völlig anders agieren, und nicht zuletzt deswegen sind sie in der Ausprägung wesentlich verschiedener, so verschieden, dass ich mich bei dem einem Dritten schon mal frage, wie es so fremd und bei dem einem anderen, wie es immer wieder so gut sein kann.

Oder bei den Zähnen: Die Ersten und Zweiten produziert der Körper, mit allen dazugehörigen Aspekten wie Schmerzen, Wackeln, Putzen, Löcher, Bohren etc. Die Dritten aber werden extern hergestellt und nachts in ein Glas getan. Verschiedener geht’s nicht.

Und bei den Kindern?

Das Dritte läuft so mit, wird gern immer mal behauptet.
Nein und ja, denke ich: Nein, es braucht natürlich immer noch mehr Fürsorge als die beiden Ersten; Vieles, was sie bereits können, ist dem Dritten noch nicht zuzutrauen.
Und: Ja, denn einen Teil der Erziehung übernehmen die Geschwister. Ob man will oder nicht.

Hatte man einst noch ein relativ ruhiges Mahl zu dritt, also Lula plus Eltern, ist inzwischen das gemeinsame Essen ein Familientreffpunkt, der ganz von selbst in irgendeine Richtung laufen kann. Vielleicht heizen Jack und Lula Albert so richtig an, bis die Stimmung überspannt wird, oder sie piesacken sich gegenseitig, während keiner auf Albert achtet, der inzwischen sein Brot zwischen den Fingern zu kleinen Kugeln formt, die doch irgendwie in die Milchflasche zu kriegen sein müssen, oder er selbst pocht vehement auf seinen Willen, der ihm allerdings selbst nicht ganz klar ist, während Jack die Nutella-Schicht auf seinem Toast etwa auf das Verhältnis 1:1 zur Toastdicke zu bringen versucht. (Es gelingt beinahe.)

Beim Ersten wär das nicht passiert.

Der Effekt ist, dass erstens Albert selbst sein Toast schmieren will (was ja durchaus gut ist) und zweitens die Honigmenge ebenfalls selbst bestimmt werden will (was ja durchaus nicht gut ist). Sowieso bekommt man oft ein Jack hat aber auch oder Lula hat aber auch zu hören. Es gibt für ihn halt mehrere Vorbilder in der Familie, ganz nach Geschmack.

Und was ebenfalls nicht ausbleibt, sind die kulturelle und die sprachliche Prägung. Wenn vor dem Restaurantbesuch die Kinder aufgefordert werden, für die Wartezeit zwischendrin etwas zu Lesen mitzunehmen, dann schnappt sich Lula den neuesten Potter, den sie gerade verschlingt, und Jack einen anderen Potter-Band, wo er gerade voll drinsteckt, woraufhin Albert ein Pixibuch in den Flur legt und sagt, er nähme auch ein Happy Potter mit. (Manchmal klingt es auch nach Heavy Potter.) Er kennt zudem diverse Zaubersprüche, eine Reihe von Personen und gibt sich als großer Kenner.

Sprachlich mag es alles noch ein bisschen hängen, aber um Kumpels (unfreiwillig) zu beeindrucken, reicht es allemal: Es gab gestern zumindest irritierte Blicke des Spielkameraden, der doch ein gutes Stück älter ist, aber eben nicht Dritter, als Albert beim Spielen mit Autos von coolen Hotwheels sprach, die ein Zosch ineinander machten, der ganz geil war.

Und wenn ihm irgendetwas, was auch immer es sein mag, runterfällt oder misslingt, hört man ein o sseiße. Da Lula das in dem Alter nicht so selbstverständlich von den Lippen ging, behaupte ich, dass wir Erwachsenen diesen und ähnliche Begriffe durchaus mit gewissem Bedacht verwenden.
Wir dürfen jetzt dafür sorgen, dem kleinen Mann ein Gefühl für Zeitpunkt und Ort zu vermitteln, wo solche Wörter zu benutzen sind, damit nicht sämtliche Blicke erst zu ihm und dann zu den Eltern wandern.
Wie im Restaurant beispielsweise.
Wenn Jack seinen Ärmel in den Teller hängen lässt.
Und Lula sagt: Iiih!
Und Jack sagt: Upps!
Und Albert sagt: O sseiße.

Die Dritten halt.
Die sind irgendwie anders.

Ja, is’ denn heit scho’ Weihnacht’n?

Jahreszeiten werden relativ. Wobei ich diesmal die gesellschaftliche Komponente meine, nicht die klimatische. In den wirklich wenigen heißen Tagen dieses Sommers schneit (upps, wie passend zum Thema, merke ich gerade) dick die Reklame für den Herbst ins Haus:

Kinder in Gummistiefeln durch Pfützen laufend, dick windfest verpackte Models, die durchs Laub stapfen, regenschirmtragende, den Kragen der wasserabweisenden Jacke hochgeklappt habende Endfünfziger, die deutlich nach vorn gebeugt Wind und Wetter trotzen und ein Lächeln um die Mundwinkel nicht verlieren, dazu honigfarbene Kerzenarrangements, die Gemütlichkeit an dunklen Herbsttagen verbreiten sollen.

Oder Ostereier in Werbeblöcken, die im Januar fast nahtlos an die Weihnachtswerbung anschließen und Frohe Ostern verkünden, während weiße Karnickel über riesige Möhren hoppeln (wie süß!). Gut, die Vorfreude im Winter auf das Frühjahr liegt immerhin noch näher als die Vorfreude im Hochsommer auf windige Regentage im Herbst.

Höchst ärgerlich, dass Silvester so ungünstig liegt. Gerade mal eine knappe Woche Zeit, sämtliche Trailer über den Bildschirm und sämtliche Sekt-, Knallkörper- und Bleigießreklame in alle Haushalte zu bringen. Vielleicht könnte man das mal ändern.

Ein gewisser Blick voraus ist dabei ja nicht falsch. Die Bekleidungsindustrie soll ja nicht überrascht im Oktober feststellen, dass dickere Pullis vielleicht mal angebracht wären, die Produktion aber erst im März hinterher kommen würde. Und ebenso erscheint es sinnvoll, die Produktion von Weihnachtsgebäck ein Stück vor das Fest zu legen. Die Frage ist ja, ob man es dann auch gleich verkaufen muss.

wortteufel ist zumindest schon auf die heiße Ware gestoßen. Was eigentlich in kulinarischer Hinsicht gar nicht das Falscheste ist. Von einem der Keksindustrie nahestehenden Bekannten weiß ich, dass am Ende des Sommers die Produktion von Weihnachtsgebäck abgeschlossen ist. Dann schmeckt sie am besten. Aber: Will man sie sich dann überhaupt schon schmecken lassen?

Das Buhlen um die Gunst des Kunden führte vor einigen Jahren (leider vor der Etablierung digitaler Kameras) am Ende des Sommers zu dem schönen Umstand, dass der Supermarkt in unserer Nähe zeitgleich zwei Kaufgrundbedürfnisse des Menschen voll abdeckte. Direkt nebeneinander lagerten sie da. Das Grillset und das Weihnachtsgebäck. 

Ich spekuliere (4.)

Schon lange gestanden. Also:

Einkaufszettel Nr. 5

einkauf-05.jpgNun schnell alles aufschreiben, gleich das Stiftchen her.
Ach, Tiger, lass Mami mal, ja? Willst schmusen, was? Na, Mami muss jetzt Einkaufszettel machen. Für dich heut nichts, mein Streunerchen, für dich hab ich noch Leckerlis, du.

Zuerst die Milch. Blöd, immer nur 3,5% oder 1,5%. Kann es die nicht noch leichter geben?

Gibt es. Heißt dann Wasser.

Und ein Piccolöchen, nee, Piccolo, nee, wie heißt das jetzt neuerdings, ähm, Prosecco, für Samstagabend. Da mach ich’s mir dann schön gemütlich vorm Fernsehen. Mit Proseccochen und mit Pralinen. Hab ich mir auch mal verdient.

Ja, wenn man sich das verdient hat…

So, und Brot. Mal sehen, dass ich diese Packung mit den Schwarzbrotscheiben krieg, hm, Katerchen? Na, sonst nehm ich diese Weißbrotscheiben. Sind auch irgendwie leichter bestimmt.

Leichter. Und auch heller.

Du, nicht kratzen, Tigerbaby, lass die Krallen, lass die Krallen.
Nein jetzt, Kratzer am Nagel, gerade jetzt. Naja, muss ich gleich neu machen.

Dann für’s Törtchen nachher Sprühsahne. Wenn Steffi dann kommt, gönnen wir uns mal diese kleine Sünde. Merkt ja keiner sonst.

Nein, sonst merkt das keiner.

Saft will ich auch mal wieder. Immer nur Wasser, Wasser, Wasser.
Blöde Wasserkur. Weiß nicht, ob ich das durchhalte.

Tiger, runter da! Jetzt liegt der Harlekin auf dem Boden! Du sollst nicht auf dem Sofa rumschleichen, deine Haare hängen in jeder Ecke! Man, überall die Haare auf dem Lila. Naja, sind ja nur weiche Katzenhaare von Tigerchen. Dem Süßen.

Weiter. Saft. Nehm ich mal A-Saft. O-Saft hat immer so Stückchen.
Dann noch Kartoffeln. Die machen auch nicht dick. Und sind nahrhaft. Also, ein Beutelchen Kartoffeln. Und Eier auch. Aber nur vier. Die reichen lange.

Damit wär’n die Mittagsmahlzeiten ja geklärt.

Und für’s Frühstück noch Dickmilch. Komisch, heißt Dickmilch und soll gerade nicht dick machen.
Naja. Dann kann’s ja Wochenende werden.
Hach, mal so richtig abspannen von der Boutique.
Ne, Tigerchen? Lassen wir´s uns gutgehen, was?

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